Ein Bericht der Weltbank zeichnet ein erscheckendes Bild von den Kriegsfolgen für Syrien.

  • 400.000 bis 470.000 Menschen wurden seit Beginn des Bürgerkriegs getötet. Vermutlich sterben mehr Menschen wegen der mangelnden medizinischen Versorgung als an den Kämpfen selbst.
  • Mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes wurde vertrieben oder ist geflüchtet.
  • 7 Prozent der Häuser wurden völlig und 20 Prozent teilweise zerstört. Etwa die Hälfte der Bildungseinrichtungen sowie der medizinischen Infrastruktur können nicht mehr zu ihren Zwecken genutzt werden. Die Kosten für einen Wiederaufbau betragen rund 200 Milliarden Euro.
  • Die Arbeitslosigkeit liegt bei 78 %, junge Menschen werden somit zu Rekrutierungspotenzial für fundamentalistische Terrorgruppen.
  • Sollte der Konflikt noch in diesem Jahr beendet werden, könnte die Wirtschaftsleistung in Syrien nach Einschätzung der Weltbank binnen vier Jahren 41 Prozent des Vorkriegsniveaus erreichen. Mit fortschreitender Kriegsdauer verschlechtere sich die Prognose jedoch.
  • In größeren Städten gibt es oft zu wenig Öl, weswegen die Stromversorgung mitunter nur noch zwei Stunden am Tag funktioniert.

Hintergrund

2011 versuchten die USA, die durch den “Arabischen Frühling” in Nordafrika und dem Mittleren Osten entstandene politische Situation zu nutzen, um in dem Land einen Regimewechsel herbeizuführen. Dazu unterstützten sie, ähnlich wie in Libyen, vor allem islamistische Gruppierungen. Die europäischen Staaten wie Deutschland, die zuvor relativ gute Geschäftsbeziehungen zur Assad-Regierung unterhalten hatten, schwenkten schnell auf die Seite der USA ein. Die US-Strategie der Unterstützung “gemäßigter Islamisten” scheiterte jedoch. Der IS erstarkte auch in Syrien und eroberte große Gebiete des Landes. Russland nutzte diese Situation im Sommer 2015 für ein eigenes militärisches Eingreifen in Form von Luftangriffen, zugunsten der Assad-Regierung. Diese wird außerdem durch den Iran unterstützt.

Eine besondere Rolle in Syrien spielt die kurdische Bewegung (YPG/ YPJ im  Militärbündnis der DKS bzw. SDF), die im Norden mit Rojava ihr eigenes Autonomiegebiet errichtet und, zunächst auf sich allein gestellt, gegen den „Islamischen Staat“ (IS) verteidigt hat. Allem Anschein nach ist das Agieren der YPG/YPJ seit einiger Zeit darauf gerichtet, die Widersprüche zwischen den USA und Russland im Syrien-Krieg taktisch für die Sicherung Rojavas zu nutzen. In diesem Zusammenhang führen die bewaffneten Einheiten der „Demokratischen Kräfte Syriens“ (DKS, engl: SDF) in Kooperation mit den USA momentan eine Offensive auf die IS-Hochburg Raqqa durch. Das Erstarken der Kurden wiederum hat die Türkei veranlasst, ihre Armee ebenfalls nach Syrien zu schicken – mit dem Ziel, Rojava zu zerstören.