Kein Geld von Air Berlin, der Lufthansa oder dem Staat – 4000 ArbeiterInnen stehen vor dem Nichts.

Nach der künstlichen Pleite des Luftfahrtunternehmens Air Berlin Ende August steht nun ein Großteil der ArbeiterInnen vor der Kündigung. Die drei Bundesländer Berlin, Bayern, NRW und die Bundesregierung haben sich nicht auf eine Auffang-Gesellschaft für rund 4000 der 8600 Beschäftigten einigen können. Damit fällt auch die Bedingung weg, unter der der Gläubiger-Ausschuss von Air Berlin bereit gewesen wäre, 10 Millionen € der notwendigen 50 Millionen € zu übernehmen. Nur Berlin kündigte die Möglichkeit einer Unterstützung für die 1200 Mitarbeiter des Bodenpersonals an.

Das Unternehmen selbst hatte nach Bekanntwerden der Pleite 150 Millionen € als Sofort-Kredit zur Fortführung des Flugverkehrs bekommen. Selbst der Chef der Berliner Senatskanzlei, Björn Böhning sieht darin einen Skandal: „Es kann aus meiner Sicht nicht sein, dass man einem Unternehmen mit einem Kredit hilft, aber wenn es dann um die Belange der Beschäftigten geht, dass alle die Tür zuschlagen.“

In einer Auffang-Gesellschaft werden MitarbeiterInnen vorübergehend freiwillig angestellt und in neue Jobs vermittelt. Sie bekommen dort weniger Geld als zuvor, müssen sich jedoch nicht arbeitslos melden und haben mehr Zeit, sich auf die Suche nach einer neuen Stelle zu machen.

Ziel erreicht: Air Berlin zerschlagen – Lufthansa gestärkt

Der Hauptgewinner der Air Berlin-Pleite ist das zweitgrößte europäische Raumfahrtunternehmen Lufthansa. Der Konzern übernimmt den Großteil der insolventen Firma für den extrem geringen Preis von 210 Millionen €. Eine Beteiligung an einer Transfer-Gesellschaft hatte das Unternehmen bereits vorab ausgeschlossen.

Verantwortlich für die Abwicklung war Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann, der bis zum Februar 2017 Top-Manager bei Lufthansa war. Gegen ihn ist bereits Strafanzeige wegen Untreue ergangen. So spricht der hannoversche Investor Utz Claassen von einem „abgekarteten Spiel“. Ziel sei es gewesen, die Lufthansa voranzubringen. Dies entspricht auch dem Willen der Politik. So äußerte die Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) im Interview „Ich würde es begrüßen, wenn die Lufthansa größere Anteile von Air Berlin übernimmt. (…) „Die Lufthansa ist ein Champion im Luftverkehr – ihre Position kann jetzt aber noch gestärkt werden.“

Im Air Berlin-Konzern gibt es derzeit 6800 Vollzeitstellen, die sich auf rund 8000 Mitarbeiter verteilen. Die Lufthansa ist bereit, gerade einmal 3000 Mitarbeiter bei ihrer Unternehmens-Tochter Eurowings einstellen: Rund die Hälfte davon wird von den Air Berlin-Töchtern Niki und LG Walter übernommen, auf die anderen Stellen müssen sich Ex-Air Berliner bewerben – voraussichtlich mit hohen Gehaltseinbußen.

Systematischen Widerstand von Seiten der Gewerkschaften gab es nicht. Einem wilden Streik der Piloten fiel die Gewerkschaft ver.di sogar in den Rücken. Stattdessen wurde stark auf eine Transfer-Gesellschaft gesetzt – diese ist nun geplatzt.