Im Sommer dieses Jahres wurde in Hühnereiern aus Deutschland das Insektizid „Fipronil“ nachgewiesen. Im August wurden deshalb fast alle Eier aus den Supermarkt-Regalen entfernt. Jedoch nicht nur frische Eier, sondern zahlreiche eihaltige Lebensmittel sind mit Fipronil kontaminiert.

So wurden unter anderem in Eierlikören, Backwaren und Eiersalaten das Insektizid nachgewiesen. Das hätten Behörden auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung eingeräumt. Fipronil wird bei Tieren eingesetzt gegen Befall von Hautparasiten, wie etwa Läusen, Milben und Zecken. Bei der Verwendung bei Tieren, die der Lebensmittelerzeugung dienen, ist dies jedoch verboten.

Hiervon hat man allerdings zuvor wenig in der Öffentlichkeit gehört. Experten werfen der Bundesregierung vor, das wahre Ausmaß des Friponil-Skandals zu vertuschen, um besonders vor der Bundestagswahl keine weiteren Negativmeldungen zu produzieren. Mit Tricks bei der Messung und der Auslegung von Grenzwerten soll so verhindert worden sein, dass Lebensmittelhersteller zu öffentlichen Rückrufaktionen gezwungen wurden. Zwar wurden einige Produkte still und heimlich aus dem Sortiment genommen, doch wurde die Kunden, die die betroffenen Produkte schon gekauft hatten, nicht informiert. MitarbeiterInnen haben laut der Zeitung davon berichtet, dass die Labore von den Behörden dazu aufgerufen wurden, nicht so genau zu messen, wie es eigentlich nötig gewesen wäre.

Deutschland hat eine sehr schwache, intransparente und unternehmerfreundliche Lebensmittelüberprüfung. Diese findet nämlich hauptsächlich durch Selbstkontrolle der Hersteller statt, die ihre Ergebnisse über Qualität und Sicherheit nicht veröffentlichen müssen. Das innerhalb kürzester Zeit Friponil belastete Eier in 15 EU-Mitgliedsstaaten, wie auch in der Schweiz und in Hong Kong gefunden wurden, zeigt, dass globalisierte Produktion und Handel solche Lebensmittelverunreinigungen zu einem globalen Problem machen.