Daphne Caruana Galizia hatte zu Korruption und Steuerhinterziehung von Politikern und Konzernen recherchiert.

Es begann mit dem Leak um die „Panama Papers“ . Ein Whistleblower hatte die rund 11,5 Millionen E-Mails, Briefe, Faxnachrichten, Gründungsurkunden, Kreditverträge, Rechnungen und Bankauszüge des panamaischen Offshore-Dienstleisters „Mossack Fonseca“ der Süddeutschen Zeitung zugespielt. In einer koordinierten Aktion wurden Recherchen dazu dann im April 2016 in 109 Zeitungen in 76 Ländern veröffentlicht. Sie belegen legale Strategien der Steuervermeidung, aber auch Steuer- und Geldwäsche-Delikte und den Bruch von UN-Sanktionen.

Die Journalistin Daphne Caruana nahm im EU-Staat Malta die Recherche auf. So deckte sie auf, dass der maltesische Gesundheits- und Energieminister Konrad Mizzi mehrere Scheinfirmen gegründet hatte. Anfang 2017 machte sie in ihrem Blog bekannt, dass auch Michelle Muscat, die Ehefrau des Premierministers Joseph Muscat, eine Offshore-Firma in Panama besaß. Dies zwang den Premierminister dazu, vorzeitig Neuwahlen anzusetzen. Der Blog der Journalistin gehörte zu einem der meistgelesenen in Malta. Das Magazin Politico bezeichnete sie als „Eine-Frau-WikiLeaks“.

Jetzt, am 16. Oktober der Anschlag: Nachdem sie den Zündschlüssel umdrehte, explodierte ihr gemieteter Peugeot 108. Die Täter sind unbekannt. Caruana Galizia hatte wegen vorausgegangener Morddrohungen mehrfach Strafanzeige erstattet.

Ihr Sohn kritisierte nach dem Anschlag offen die Regierung: „Wenn die Institutionen funktionieren würden, gäbe es keinen Mord aufzuklären – ich und meine Brüder hätten noch immer eine Mutter. Joseph Muscat, Keith Schembri, Chris Cardona, Konrad Mizzi, der Generalstaatsanwalt und die lange Liste von Polizei-Beauftragten, die nichts getan haben: Ihr seid die Komplizen, Ihr seid verantwortlich dafür.“