Faschistische Kommentare in einer Polizei-Chatgruppe sorgen für Aufregung in Spanien.

In einer WhatsApp-Chatgruppe mit 115 Polizisten ist es zu einer massiven Verbreitung von faschistischen Kommentaren gekommen. Dies wurde durch einen der Polizisten öffentlich gemacht – nun erhält er Morddrohungen.

Die WhatsApp-Gruppe wurde von Beamten der Stadtpolizei Madrid vor etwa zwei Jahren eigentlich mit dem Ziel gegründet, Probleme mit den Arbeitsbedingungen zu diskutieren. Seit der Diskussion um das katalanische Unabhängigkeitsreferendum sind dort aber von einem halben Dutzend der Gruppenmitglieder Kommentare gegen linksgerichtete Politiker, Journalisten und Flüchtlinge verbreitet worden. Unterdessen schwieg der überwiegende Rest der über einhundert Polizisten dazu.

Die Nachrichten beinhalten Phantasien vom qualvollen Tod der linksliberalen Bürgermeisterin von Madrid, Manuela Carmena, ebenso Vorschläge, Flüchtlinge ins Meer zu schmeißen und an Fische zu verfüttern, wie auch ganz offene positive Bezüge zu Hitler und dem jahrzehntelangen spanischen Diktator Franco. Der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung wünschen die Polizisten einen weiteren Terroranschlag wie am 17. August in Barcelona, bei dem 14 Menschen ums Leben kamen und über Hundert verletzt wurden.

Der Polizist, der die Kommentare öffentlich gemacht hatte, ist nun massiven Morddrohungen von Seiten seiner Kollegen ausgesetzt; unter anderem wird ihm versichert, dass er „die Rente nicht erreiche“. Auch die verschiedenen Polizeigewerkschaften greifen nicht etwa das faschistische Gedankengut in der Polizei an, sondern die Veröffentlichung von „privaten Chats“. Ein spanischer Richter hat jedoch mittlerweile Ermittlungen gegen einen Teil der Chat-Teilnehmer aufgenommen.

Das Verhältnis des spanischen Staatsapparats zum Franco-Faschismus wird immer wieder in der Öffentlichkeit diskutiert. Zuletzt wurde Ismael Moreno zum Richter bestimmt, der gegen die Verantwortlichen für das –  in Spanien illegale –  katalanische Unabhängigkeitsreferendum ermitteln soll.
Der 62-jährige Richter war selbst noch knapp zehn Jahre unter Franco als Polizist tätig.