Forscher warnen vor Analyse-Programmen zum Aushorchen von Beziehungen unter Kollegen.

Heute fallen in den Betrieben digitale Daten an – auf Schritt und Tritt und bei allem, was man tut: Beim Betreten des Betriebs, beim Telefonieren, beim Bezahlen in der Kantine, beim Betreten von Räumen, beim Arbeiten an Maschinen oder Dokumenten. Es entstehen riesige Datensätze darüber, wer was wann wo gesagt, getan oder geschrieben hat. Forscher sehen Gefahren darin, dass diese Informationen von Unternehmern ausgenutzt und gegen die Belegschaft eingesetzt werden könnten.

In ihrer Studie „Die Vermessung der Belegschaft“ diskutieren die Autoren Heinz-Peter Höller und Peter Wedde ein Szenario, in der ein Unternehmen, das Entlassungen plant, sich an den Ergebnissen von Analyse-Programmen orientiert: Wer nicht hinreichend vernetzt ist, riskiert berufliche Nachteile oder sogar eine Kündigung: „Wer nicht die notwendigen Mindestpunkte bei seinen Kommentaraktivitäten hat, den hält die Software für wenig engagiert und entbehrlich. Entsprechendes gilt für die persönliche Stellung einzelner Beschäftigter. Wer in der Informationskette immer am Rande liegt, wer in Informationsströmen oft umgangen wird, wer selbst oft nach Rat fragt und nur selten zu Rate gezogen wird, dessen Scores sind niedrig und die Kündigungsgefahr ist hoch.“

Umgekehrt könnten solche Analysen genauso im Falle von Streiks oder Streikvorbereitungen dafür genutzt werden, die informellen Netzwerke und StreikführerInnen zu identifizieren.

Die Forscher sprechen davon, dass rechtlich derartigen Formen der Vorratsdatenspeicherung zwar relativ enge Grenzen gezogen seien. Das geltende Recht müsse aber auch durchgesetzt werden, so Höller und Wedde. Dafür benötige es starke ArbeiterInnenvertreterInnen in den Betrieben und auch gesetzliche Vorgaben.