Die Zahl der Crytal Meth-KonsumentInnen ist in den letzten Jahren in Sachsen und auch Brandenburg deutlich gestiegen. Nicht zuletzt hat dies mit der Grenznähe zu Tschechien zu tun. – Ein Kommentar von Paul Hornick

Eine traurige Folge des Konsums der Menschen ist, dass die Einnahme dieser Droge nicht nur ihnen geschadet hat, sondern – was noch viel trauriger ist – ihren neugeborenen Kindern dieser Schaden weitergegeben wurde.

Im Jahre 2008 waren es noch 37 Fälle, ca. zehn Jahre später waren es schon 185. Die Kinder wachsen mit Behinderungen und starken Einschränkungen auf. Hinzu kommt, dass die Eltern meistens nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, ihre Kinder ganzheitlich und in einem gesunden Umfeld aufwachsen zu lassen. Sie werden in die Viertel gesteckt, wo es eh egal ist, was mit ihnen passiert – ganz nach dem Motto: „aus den Augen, aus dem Sinn“. Oder sie wachsen in den Haftanstalten mit ihren Müttern auf, in der sogenannten „Familienorientierten Vollzugsgestaltung“: Reinste Abschiebung und Ausgrenzung der Menschen durch den Staat ist hier zu sehen.

Dabei setzt der Staat angeblich viel auf Aufklärung und Fahndung gegen Crystal Meth. Doch was fehlt, ist eine zielgerichtete Förderung und Behandlung der Kinder und Eltern, in Form von ausreichenden Therapieplätzen und Kindereinrichtungen.

Aber würde das reichen, bzw. ist dafür überhaupt Geld da?

Das Geld ist da, aber leider nicht immer genug an den wichtigsten Stellen. In Sachsen und Südbrandenburg ist der Konsum von Crystal Meth in den letzten Jahren massiv angestiegen. Vor acht Jahren waren es noch 1.800 Crystal Meth-KonsumentInnen, mittlerweile sprechen die Suchtberatungsstellen des Landes von 4.800 Süchtigen, die sich bei den Beratungsstellen meldeten. Gefördert wurden aber alle Länder und Städte durchschnittlich gleich. Das heißt: in den größten Problemgebieten steht nach wie vor zu wenig Geld zur Verfügung.

Warum ist denn überhaupt Crystal Meth so auf dem Vormarsch und was macht diese Droge mit uns?

Die Droge war schon im Zweiten Weltkrieg bei der Wehrmacht im Einsatz. Dann hörte man lange Zeit in Deutschland nicht mehr viel von ihr. Aber in den letzten zehn Jahren stieg der Konsum vor allem in osteuropäischen Ländern, wie in Tschechien, massiv an. Von mafiösen Strukturen über die Grenze geschafft, findet Crystal Meth auch seit der letzten acht bis zehn Jahre in Deutschland freudige KonsumentInnen. Fast überall hinter der Grenze können wir schon für ungefähr 15€ ein Gramm käuflich erwerben. In Dresden z.B. hingegen kostet das Gramm dann auf einmal 50-70€ – ein lohnendes Geschäft, für die Drogenmafia. Die Droge ist günstig und hat eine starke berauschende Wirkung. Eine „Alternative“ zu den herkömmlichen Drogen.

Diese Substanz, die anfangs vorwiegend in tschechischen Labors produziert wurde, hat eine erstaunliche Wirkung auf uns: wir sind zunächst konzentrierter, leistungsstärker und haben weniger Angstgefühle.

Aber wer braucht denn so was?

Genau diejenigen, die sich täglich von Job zu Job quälen oder in verantwortungsvollen Positionen stecken. Du fühlst dich, wie als wärst du „Gott“ persönlich, und mal ehrlich, wer will das denn nicht? Wir werden ständig herabgewürdigt von unseren Chefs und unseren Vorgesetzten. Der Druck und die Belastungen steigen stetig. Dazu kommen noch Perspektivlosigkeit und die Angst, den Job zu verlieren oder überhaupt erst einmal einen zu bekommen. Da ist es eine gute Möglichkeit für Menschen wie uns, sich schnell mal für einen günstigen Taler etwas besser zu fühlen, oder nicht?

Es ist aber auch zu beobachten, dass immer mehr Frauen, auch Hausfrauen und Mütter auf diese Droge aufmerksam werden. In vielen Haushalten in Deutschland und der Welt ist häusliche Gewalt an der Tagesordnung. Von psychischer bis hin zur physischen Gewalt ist alles dabei. Da kann ich es den Frauen echt nur schwer verübeln, sich in Drogen zu verlieren, um sich wenigstens für ein paar Stunden „stark zu fühlen“.

Ein vorläufiges Fazit

Crystal Meth, aber genauso alle anderen Drogen können nicht die Lösung von Problemen sein und waren es  auch noch nie. Ich kann es aber verstehen, dass Menschen sich zu ihr hingezogen fühlen. Denn sie ist nicht nur finanziell die günstigere Alternative, sondern auch die einfachere Möglichkeit, sich vom Kampf gegen Ungerechtigkeiten abzuwenden. Ich möchte aber niemanden, der oder die schon einmal Drogen konsumiert hat, als feige darstellen, denn das ist nicht die Ursache.

Es ist wichtig, sich immer wieder klar zu machen, dass es das kapitalistische System ist, das Schuld an der Sucht hat und nicht der/die Süchtige selbst.
Die Erfahrung weltweit zeigt, dass Drogen nicht nur eine „Zuflucht“ für uns ArbeiterInnen sind, sondern auch ein beliebtes Mittel der Herrschenden. Denn wie war es, als in den USA die „Black Panther“-Bewegung zu stark für die Machthabenden wurde? Sie haben gezielt Drogen in die Viertel der Schwarzen Bewegung geschleust um sie zu zerschlagen.

Dann in den 1970ger Jahren, als die ArbeiterInnen in vielen Städten Spaniens auf die Straßen gingen, um gegen die faschistische Diktatur Francos zu kämpfen. Was hat da der Staat systematisch gemacht? Oder wie es heute noch in vielen Vierteln türkischer Großstädte passiert, dass die Fahndung gegen Drogendealer und Zuhälter eingestellt wird, um die fortschrittlichen Kräfte, die einen revolutionären Geist in sich tragen, zu zerschlagen. Drogen werden vom Staat nicht verteufelt! Wenn es den Herrschenden recht ist, fluten sie ohne Probleme einfach städteweise die Menschen mit Drogen und dazu zählt eben auch Crystal Meth. Wir können mit sehr hoher Sicherheit davon ausgehen, dass auch der deutsche Staat solche „Mittelchen“ gegen uns einsetzen wird, wenn nicht sogar schon hat. Warum wird sich wohl so wenig um die Drogenkriminalität in Sachsen und Brandenburg gekümmert und das gerade in den Zeiten, wo die Überwachungstechnik angeblich doch so viel hergibt?

Es kann unsere einzige Chance sein, unseren Klassengeschwistern kollektiv und solidarisch zu begegnen und zu helfen. Wir erwarten noch viel zu viel von diesem Staat. Er wird uns nicht aus dieser Scheiße holen. Das können nur wir selbst tun. Fang‘ an, dich für deine Mitmenschen zu interessieren, denn sie haben oft genug dieselben Probleme wie du, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint!