Wie rumänische Arbeiter-Kolonnen in der deutschen Fleischproduktion ausgebeutet werden.

„Westfleisch“, der fünftgrößte Fleischkonzern Europas, hat über Jahre ein System von Subunternehmen aufgebaut, um Löhne zu drücken und Schwarzarbeit zu ermöglichen. Das belegen Recherchen des WDR-Magazins „Die Story.

Subunternehmen statt Stammarbeiter

Um 2004 begann Westfleisch damit, systematisch die Stammbelegschaft abzubauen und durch Leiharbeiter zu ersetzten – vorwiegend aus Rumänien. Dafür schloss das Unternehmen Werksverträge mit Subunternehmen, wie dem von Erol Deli, der im WDR-Beitrag interviewt wird.

Dieser berichtet davon, dass die Hausjuristin von Westfleisch ihm selbst vorschlug, Dutzende von Firmen mit jeweils 20 Personen aufzubauen, um das Risiko zu minimieren, falls eine Pleite gehe. Das Geld für die erste Firmengründung lieh ihm sogar Westfleisch selbst. Die Werksverträge zwischen den neu gegründeten Subunternehmen und Westfleisch umfassten Vorgaben bis ins kleinste Detail. Zeitweise beschäftigte Deli bis zu 1.000 Mitarbeiter, die nahezu alle für Westfleisch arbeiteten.

Miserabele Arbeitsbedingung und Schwarzarbeit

Die Subunternehmen sollten billige Arbeitskräfte anstellen – auch aus Rumänien. Westfleisch-Manager flogen mit Deli dorthin, um Vorbereitungen zu treffen. Teilweise suchten sie sogar selbst Arbeitskräfte aus, die Deli dann anstellte.

Die Arbeitszeiten in Deutschland umfassten täglich bis zu 13 Stunden und mehr. Die Bezahlung lag bei 8-9 € brutto statt der 15-16 €, die nach Tarif hätten bezahlt werden müssen. Aus diesem Grund wurde laut Deli systematisch Schwarzgeld „in Millionenhöhe“ gezahlt. Der Vorteil für Westfleisch: Sie muss durch die Werksverträge keinen Urlaub, keine Krankheitstage bezahlen, das Risiko wird ausgelagert.

Wie Marionetten

Im Jahr 2008 wird Deli wegen Steuerhinterziehung und fehlender Sozialabgaben zu zwei Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Er gesteht umfassend. Die Manager bei Westfleisch geben die Vorwürfe zu, machen jedoch einen Deal mit der Staatsanwaltschaft: Sie zahlen die hinterzogenen Steuern nach – 2,6 Millionen €. Im Gegenzug wird außer Geldstrafen kein Manager belangt.

Fünf weitere Verfahren folgen in den kommenden Jahren, auch hier sitzen die Subunternehmer, nicht jedoch Westfleisch-Manager auf der Anklagebank. Rechtsanwalt Rietz, der drei Subunternehmer vertreten hat, spricht davon, das Westfleisch diese Subunternehmer „wie Marionetten“ geführt habe.