„WSI“-Vergleich: Deutscher Mindestlohn europaweit nur im Mittelfeld

Durch die Einführung des Mindestlohns in Deutschland stiegen die Löhne von Hunderttausenden, die zuvor für kleinste Bezahlung geschuftet hatten. Doch ein aktueller Bericht des gewerkschaftsnahen Instituts „WSI“ (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut, eingegliedert in die Hans-Böckler-Stiftung) legt nahe, dass der deutsche Mindestlohn im europäischen Vergleich niedrig ist – obwohl die Wirtschaft die stärkste ist.

Im Mindeslohnbericht 2018 wurden die Mindestlöhne aller europäischen Länder verglichen. Die Auswertung zeigt: Aktuell ist der deutsche Mindestlohn mit 8,84 Euro pro Stunde niedriger als in den meisten westeuropäischen Nachbarländern.

Noch offensichtlicher wird der Rückstand, wenn man den Mindestlohn ins Verhältnis zu den sonstig gezahlten Löhnen setzt. Dazu dient ein ‚Medianlohn‘, also der Wert, bei dem die eine Hälfte der Erwerbstätigen mehr und die andere Hälfte weniger verdient.

In Deutschland entsprach der Mindestlohn im Jahr 2016 knapp 47% dieses Medianlohns. Sogar Portugal und Polen kommen auf höhere Werte. Am weitesten vorn liegt der Mindestlohn in Frankreich – einem Land mit starker ArbeiterInnenbewegung – in dem die Untergrenze 60,5 Prozent des Medians beträgt.

Mitte 2018 wird die Mindestlohnkommission eine Empfehlung für eine Erhöhung aussprechen. „Bereits heute ist dabei absehbar, dass der deutsche Mindestlohn bei einem bloßen Nachvollzug der Tarifentwicklung nach wie vor deutlich unterhalb des Niveaus anderer westeuropäischer Staaten bleiben wird“, so die Forscher des WSI.

Nach wie vor besteht jedoch vor allem das Problem, dass der Mindestlohn noch lange nicht alle Betroffenen erreicht.