Am 25.04.18 um 8:30 Uhr haben wieder die Alarmglocken auf der Rudolfstraße in Marxloh geschrillt. Zwei Mitarbeiterinnen des Ordnungsamts Duisburg hatten laut BewohnerInnen einen Tag zuvor eine Zwangsräumung einer Wohnung angedroht

Sie hätten mehrere Fotos von dem Wohngebäude, Flur, Keller und Hinterhof gemacht und einige Sachen notiert. Dann drohten sie mündlich eine Zwangsräumung an.

Der Brandschutz als Instrument der Vertreibung

Die „Task Force Problemimmobilien“ der Stadt Duisburg ist seit etwa einem Jahr aktiv. Sie benutzt die Brandschutzverordnung als Rechtsgrundlage für die plötzlichen Räumungen. Grund dafür sei eine „Gefahr für Leib und Leben“ der BewohnerInnen. Die Brandschutzverordnung funktioniert dabei vergleichbar mit einem Notstandsgesetz, rechtliche Schritte dagegen sind kaum möglich. Doch die regelmäßigen Besuche des Ordnungsamtes und Androhungen, die immer einige Tage vor den Räumungen stattfinden, stellen dieses Vorgehen in Frage.

Organisierte Nachbarschaft

Sunay, ein Anwohner der Rudolfstraße, berichtet von den verschiedenen Aktivitäten, die die Nachbarschaft bereits unternommen hat, um das Wohnumfeld zu verbessern und den Räumungen zuvorzukommen: „Wir haben die Gärten hergerichtet und bereits kleine Renovierungen vorgenommen. Es ist fürchterlich, jetzt wieder in Angst und Schrecken versetzt zu werden.“ Alexandra, ebenfalls Anwohnerin der Rudolfstraße, gibt sich kämpferisch: „Wir werden nicht gehen, wir haben durch den Brandschutzexperten gehört, dass es gar keine wirklichen Gründe gibt, die Häuser zu räumen. Man will uns einfach nicht.“

Anders als bei den Räumungen und Androhungen zuvor war bei der j etzigen angedrohten Räumung die Stimmung bei den NachbarInnen kämpferisch. Denn mittlerweile sind einige von ihnen in der Initiative „Marxloher Nachbarn“ organisiert. Der Zusammenhalt und die Entschlossenheit sind spürbar geworden. Sie wissen über ihre Rechte und Pflichten als MieterInnen Bescheid und reagieren äußerst aufmerksam auf die Androhungen der Stadt Duisburg. Auch die anfangs noch existierenden Vorurteile zwischen den BewohnerInnen, z.B. aufgrund der ethnischen Herkunft, sind fast verschwunden. Bulgarische und rumänische Minderheiten halten auf der Rudolstraße zusammen.