Der Schweizer Konzern pumpt auch an der französischen Quelle zu viel Wasser

Seit Nestlé im französischen Dorf Vittel die Wasserrechte besitzt, sinkt der Grundwasserspiegel jedes Jahr um rund 30 Zentimeter – so sehr, dass die Wasserversorgung der BewohnerInnen Vittels nicht mehr gewährleistet ist. Aber den Besitz der Wasserrechte oder wenigstens den Umgang neu auszuhandeln, sieht der Riesenkonzern nicht vor. Stattdessen soll die Gemeinde nun mittels einer Pipeline mit Trinkwasser versorgt werden.

„Unbegrenzter Zugang“

Die Zustände in Vittel waren unter anderem vom ZDF-Magazin „Frontal 21“ öffentlich gemacht worden. Darauf reagierte der Konzern – in erster Linie mit Unverständnis. Denn die Probleme seien bekannt und Nestlé im Begriff, die Wasserentnahme zu reduzieren. Und noch habe doch jeder „unbegrenzt Zugang zu Wasser“.

Dennoch gibt es Pläne für eine Wasser-Pipeline. Die BewohnerInnen sollen ihren täglichen Wasserbedarf nun mit Wasser aus umliegenden Dörfern decken. Und die Kosten für Bau und Wartung der Pipeline trägt nicht etwa der Konzern, sondern tragen die AnwohnerInnen über Steuergelder selbst.

Nestlé legt Landstriche trocken

Dass jetzt eine Wasserquelle in Frankreich langsam versiegt, ist ungewöhnlich. In anderen Teilen der Welt haben sich Menschen schon vor Jahrzehnten damit abfinden müssen. Nestlé hat in 34 Ländern der Welt das Recht, Grundwasser abzupumpen. Beispielsweise gibt es allein in Südafrika elf Standorte. Während dort vor einigen Monaten Haushalte an Wasser sparen mussten, weil das Land von der härtesten Dürre seit Beginn der Aufzeichnungen geplagt wurde, pumpte Nestlé ungehindert Wasser aus dem Boden und verkaufte es in kleinen Plastikflaschen.

In zahlreichen Ländern sieht es ähnlich aus: Der Schweizer Konzern hat die alleinigen Wasserrechte, BewohnerInnen sind verpflichtet, ihren Konsum von Leitungswasser drastisch zu reduzieren – und letztlich dadurch darauf angewiesen, abgefülltes Wasser für ein preislich Vielfaches zu kaufen.