Arbeitgeberverbände und Politik verteidigen befristete Beschäftigungsverhältnisse als „Chancen“ – tatsächlich nutzen sie wohl nur den Unternehmen

Während KritikerInnen mahnen, dass befristete Arbeitsverträge für Betriebe eine willkommene Möglichkeit sind, Konflikte mit dem Kündigungsschutz gänzlich zu umgehen, argumentiert die Politik ganz anders. Beispielsweise bringt die „Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände“ (BDA) vor, dass erst befristete Stellen Langzeitarbeitslosen einen Wiedereinstieg ins Berufsleben ermöglichten: das Risiko für den Betrieb sei geringer und so bekämen mehr ArbeiterInnen eine „Chance“.

Empirisch überprüft und nicht haltbar

Nun haben zwei Soziologen aus London und Köln Forschungen angestellt, um zu untersuchen, ob Arbeitssuchende tatsächlich von der Befristung ihrer Stellen profitieren – mit einer klaren Erkenntnis: Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen „Wackelkandidaten“ und befristeten Arbeitsorten. Demnach kann auch praktisch nicht bestätigt werden, dass die Möglichkeit, Menschen befristet einzustellen, tatsächlich nicht nur den Konzernen nützt.

„Flexibilitätspuffer für Wirtschaftskrisen“

Die Forscher sprechen davon, dass befristete Stellen nicht – wie von Arbeitgeberverbänden gern dargestellt – als „verlängerte Probezeit“, sondern eigentlich als „Flexibilitätspuffer für Wirtschaftskrisen“ fungierten. Die BDA formuliert die eigenen Interessen noch deutlicher: „Flexible Beschäftigung ermöglicht, auch bei unsicherer Auftragslage schnell und unbürokratisch Beschäftigung aufzubauen.“ Heißt aber im Umkehrschluss auch: Beschäftigung kann ebenso schnell und unbürokratisch abgebaut werden. Für ArbeiternehmerInnen besteht keinerlei Verlässlichkeit oder Planungssicherheit – ihr Arbeitsplatz hängt von Vertragsperiode zu Vertragsperiode von den Schwankungen des Markts ab.