Polizei geht weiter gegen langjährige Besetzung „ZAD“ bei Nantes vor.

In Frankreich ist am Dienstag bei der fortgesetzten brutalen Räumung eines unbenutzten Geländes ein Aktivist schwer verletzt worden. So sei seine rechte Hand komplett weggesprengt worden, sie musste amputiert werden (Link – Vorsicht, Gewaltdarstellung). Verursacht wurde die Verletzung durch eine Tränengas- und Schockgranate vom Typ GLI-F4 (SAE 810). Diese enthält 25g des Sprengstoffs TNT und wird von der Firma Alsetex hergestellt. Laut Innenminister Gérard Collomb habe der Mann versucht, die Granate aufzuheben, um sie auf Polizisten zurück zu werfen. Die Aktivisten zweifelten diese Version vor Journalisten an, dies sei in der Situation unmöglich gewesen.

Das Sanitätsteam der Besetzer erklärte, dass es in den letzten Wochen bereits mehr als 300 Verletzungen habe behandeln müssen, die durch Tränengas- und Gummigeschosse verursacht wurden. „Wir bekräftigen, dass das, was die Regierung unternimmt, um die ZAD zu unterdrücken, jeden Tag zum Tod führen könnte, alles nur, um Häuser und Orte zerstören, in denen Menschen leben“, heißt es in einer Erklärung.

Das besetzte Gebiet ist weltweit unter dem Namen „ZAD“ („Zone à défendre“ – die zu verteidigende Zone) bekannt geworden. Dabei handelt es sich um ein 400 Hektar großes Flughafengelände bei der Stadt Nantes in Notre-Dame-des-Landes. Seit den 70er Jahren protestieren Umweltschützerinnen, AnwohnerInnen und BäuerInnen gegen den geplanten Großflughafen. Seit über einem Jahrzehnt ist das Gebiet nun von mehr als zweihundert AktivistInnen besetzt, die auf dem Gelände rund einhundert Häuser und Hütten errichtet haben. Die französische Regierung hatte die Planung zum Neubau eines Flughafens auf dem besetzten Gelände Anfang des Jahres, nach fast 50 Jahren, zwar aufgegeben – geräumt wird trotzdem.