Nigerianer werden ohne Wasser und Essen in der Wüste ausgesetzt

Es klingt wie ein Alptraum – doch es ist bittere Realität: Algerien hat innerhalb von 14 Monaten mehr als 13.000 MigrantInnen aus dem Niger, darunter auch Frauen und Kinder, in der Wüste Sahara ausgesetzt. Dabei wurden ihnen Handys und Geld abgenommen, die Mitnahme von Wasser, Essen und Medikamenten verwehrt. Die EU weiß von dem Vorgehen, dennoch will sie mit genau solchen Staaten in Zukunft enger zusammenarbeiten.

Abschiebung in die Wüste

Monatelang hat die Nachrichtenagentur AP MigrantInnen befragt und Informationen zusammengestellt. Dem zufolge werden diejenigen Flüchtenden, die aus dem Niger in Richtung Algerien ziehen, dort aufgegriffen und in Bussen in die Sahara gefahren. Anschließend werden sie dort gezwungen auszusteigen und dann mit einer groben Richtungsbeschreibung im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt – teilweise mit Waffengewalt. (Link zu Videos)

Ausgesetzt und nie wieder gesehen

Der Fußmarsch bei 48° ohne Wasser führt zwangsläufig zur baldiger Dehydrierung. Gegenüber AP berichtet die Überlebende Janet Kamara aus dem Niger von Menschen in ihrer Gruppe, die einfach nicht mehr weiter konnten und in der Sahara verschwanden: „Da lagen tote Frauen, Männer“. Sie selbst war während des Fußmarschs schwanger. „Andere Menschen gingen in der Sahara verloren, weil sie den Weg nicht kannten.“

EU kennt die Folgen ihres Grenzregimes

Die EU ist derweil zum Zynismus übergegangen. So erklärte ein EU-Sprecher, Brüssel sei das Vorgehen Algeriens bekannt. Jedoch könnten/dürften souveräne Staaten MigrantInnen ausweisen, solange sie sich an internationales Recht hielten. Die steigende Anzahl der nach Algerien fliehenden Menschen hängt mit der Seeblockade vor Libyen zusammen. Die EU möchte in Zukunft trotzdem noch enger mit den afrikanischen Staaten zusammenarbeiten, möglicherweise geht es um die Errichtung von Flüchtlingscamps auf deren Boden.