Das Unternehmen wollte eine 36-Stunden-Schnäppchenjagd, ArbeiterInnen stellten sich quer

„Jeder Tag ist ein schöner Tag mit Amazon Prime“, so das Unternehmen auf seiner website. Zahlreiche Arbeiterinnen und Arbeiter, die täglich unter enormem Zeitdruck Artikel sortieren, einsammeln und verpacken, sehen das anders. In Spanien, Italien, Polen und Deutschland machten die ArbeiterInnen dem Unternehmen Amazon einen Strich durch die Rechnung und verhinderten den reibungslosen Ablauf des Prime Days.

“Wir akzeptieren nicht, dass es zwei Kategorien von ArbeiterInnen gibt, die dieselbe Arbeit machen, und von denen manche schlechtere Löhne und weniger Rechte haben als die anderen“, sagt ein Amazon-Arbeiter in San Fernando de Henares bei Madrid. Dort haben sich über 80% der Beschäftigten dem Streik angeschlossen, LKW-Zufahrten wurden blockiert, und somit wurde der eng getaktete Betriebsablauf gestört.

Auch in Deutschland gab es am 17. Juli Streiks in zehn Warenlagern. Sie wurden von ver.di unter anderem dazu genutzt, Druck auf das Unternehmen aufzubauen: Die Allermeisten, die für Amazon arbeiten, werden nicht einmal durch einen Tarifvertrag geschützt.

Und in Polen organisierten ArbeiterInnen Bummelstreiks – sie arbeiteten nämlich vorschriftsgemäß: Dadurch, dass sie die Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften penibel beachteten, die der Konzern sonst ignorieren lässt, kam es auch dort zu erheblichen Verzögerungen.

Was ist dieser Prime Day?

Der Prime Day wird durch das Unternehmen inszeniert wie ein neuer Feiertag und von vielen Menschen weltweit auch genau so gefeiert: Blogs informierten dieses Jahr sogar in live-Tickern über die bestmöglichen Schnapper und Schnäppchen. Für diesen Tag, der vor allem die umsatzschwache Sommerzeit beleben soll, prophezeiten MarktforscherInnen Umsätze von rund drei Milliarden Dollar.

Neben den Verzögerungen, die die ArbeiterInnen mit voller Absicht provozierten, begann der PrimeDay dieses Jahr aber auch mit einer eigenen technischen Panne: Pünktlich zu Eröffnung der Schnäppchenjagd fielen die Server für geraume Zeit aus, auf twitter landete der Hashtag #PrimeDayFail in den Trends.