Bevorstehender Absturz der Finanzmärkte scheint bereits Mehrheitsmeinung unter Fachleuten zu sein

Steht die Weltwirtschaft kurz vor einem neuen Kriseneinbruch? Wenn man die Wirtschaftspresse in den letzten Monaten verfolgt hat, konnte man feststellen, dass diese Frage Unternehmer und Analysten verstärkt umtreibt.

Die Preise von Aktien und anderen Finanzprodukten sind seit der Weltwirtschaftskrise vor zehn Jahren erheblich gestiegen – viel stärker noch als die Realwirtschaft. Wie das Handelsblatt schreibt, hat sich die Börsenkapitalisierung – also der rechnerische Gesamtwert der gehandelten Anteile aller Börsenunternehmen – seit März 2009 verdreifacht. Jetzt jedoch rechnen Finanzexperten damit, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China zum Auslöser für einen Stopp des Booms werden könnte. Die Wirtschaftszeitung zitiert Agustín Carstens, den mexikanischen Chef der „Bank für Internationalen Zahlungsausgleich“ (BIZ), mit seiner Warnung vor einem „plötzlichen Nachlassen des Risikoappetits“ weltweit – was aus der Sprache der Banker mit der Vorhersage eines Börsenabsturzes übersetzt werden kann. In China sei der Absturz der Börsen bereits eingetreten: Der „Shanghai Composite Index“, wichtigster Aktienindex auf dem chinesischen Festland (also ohne Hongkong), sei seit Jahresbeginn um 18% eingebrochen.

Das Handelsblatt beruft sich auf eine Mehrheit von befragten Fachleuten und Vermögensstrategen, die gleich mehrere Anzeichen für ein bevorstehendes Ende des Aufschwungs an den Finanzmärkten sehen:

Erstens befinde sich die Gesamtverschuldung von Staaten und Unternehmen im Vergleich zum Volkseinkommen auf einem Rekordhoch (USA: 250 Prozent, China: 230 Prozent), das in der Geschichte „allenfalls nach langen Kriegen“ schon einmal aufgetreten sei und durch die Niedrigzins-Politik der Notenbanken befeuert werde. Die Boom-Phase sei nicht für den Schuldenabbau genutzt worden.

Zweitens habe sich die Qualität der Finanzprodukte verschlechtert, etwa durch überschuldete Staaten und eine extrem hohe Zahl an Börsengängen.

Ein drittes Anzeichen für eine drohende Krise wird im Boom der Krypto-Währungen Ende des vergangenen Jahres gesehen. Nach Einschätzung aller Experten gälten Krypto-Währungen als „offenkundigste Übertreibung des Jahrzehnts“.

Viertens gebe es ein Erstarken protektionistischer Kräfte und der entsprechenden politischen Bewegungen. Ein „Rückbau der Globalisierung“ würde sich auch massiv an den Kapitalmärkten auswirken und könnte zu einem plötzlichen Zinsanstieg führen (der aufgrund der hohen Gesamtverschuldung wiederum eine Welle von Unternehmenspleiten nach sich ziehen würde).

Fünftens sei die Hypothekenverschuldung (Kredite, die durch ein Pfandrecht auf Grundeigentum abgesichert sind), die normalerweise weltweit zwischen 10 und 35 Prozent des Volkseinkommens läge, auf einen Wert von 70% hochgeschnellt. In den deutschen Top-Städten gebe es auf den Immobilienmärkten eine Blasenbildung.

Sechstens erlaubten staatlich geduldete Bilanzierungstricks den Banken, riskante Staatspapiere weit über das Maß hinaus zu kaufen, das ihre Eigenmittel hergeben würde. Immer größere Berge von Risiko-Papieren würden also mit fremdem Geld aufgehäuft. Die Summe der Staatsanleihen in Bank-Bilanzen liege heute der BIZ zufolge bei 1,85 Billionen Dollar.

Siebtens fallen angesichts der Niedrigzinsen die Renditen in allen Geschäftsfeldern: „Wir sehen nach Dotcom- und Immobilienblase heute eine ‚Alles-und-überall‘-Blase“, wird ein Vermögensverwalter zitiert. Die Jagd der Spekulanten nach rentablen Anlagen werde immer verzweifelter.

Die dargelegten Meinungen decken sich mit den Ausführungen eines Risikomanagers, der bereits im März auf einem Youtube-Kanal vor einem großen Crash gewarnt hatte: Die Skepsis gegenüber der Stabilität des europäischen Bankensektors sei in Anlegerkreisen inzwischen Mehrheitsmeinung. Eine wirtschaftliche Erholung habe nach der letzten Krise gar nicht stattgefunden. Vielmehr hätten staatliche Maßnahmen und eine enorme Aufblähung der Kredite die Auswirkungen der Krise von 2008 hinausgezögert. Der Aufschwung in Deutschland sei ein „geldpolitisches Strohfeuer“. Auf allen Geschäftsfeldern bildeten sich Blasen, Investoren flüchteten sich in Anlagen, die bei der nächsten Krise hoffentlich nicht kaputtgingen… – Durch die Politik der Staaten und Zentralbanken sei nicht zuletzt eine Vermögensumverteilung von unten nach ganz oben in historischem Ausmaß organisiert worden.