Seit 36 Jahren lebt der türkische Journalist Adil Yigit in Deutschland.
Er spricht fließend Deutsch, schreibt als freiberuflicher Journalist für die TAZ und für türkische Oppositionszeitungen. Die Ausländerbehörde drohte mit Abschiebung – oder doch nicht?

Am 28/29.10 war der faschistische Diktator Recep Tayyip Erdoğan aus der Türkei auf Staatsbesuch in Berlin und Köln. Während das Demonstrationsrecht eingeschränkt wurde und der massenhafte Protest gegen Erdogan nur weit entfernt stattfinden durfte, wollte Adil Yigit eine direkte Botschaft an Erdogan übermitteln.

So nahm er an einer Pressekonferenz in Berlin teil – auf seinem T-Shirt stand „Freiheit für Journalisten in der Türkei“. Darauf wurde er von mehreren Sicherheitsbeamten aus dem Saal in dem die Pressekonferenz stattfand, entfernt.

Von den ansonsten anwesenden Pressemitgliedern stand niemand auf oder protestierte in sonst einer Form gegen dieses undemokratische verhalten.

Post von der Ausländerbehörde

Am vergangen Freitag erhielt Adil Yigit dann einen Brief von der Ausländerbehörde Hamburg wo er darüber informiert wurde, dass seine Aufenthaltserlaubnis nicht verlängert würde und er Anfang nächsten Jahres ausreißen müsste. Mehrfach wurde mit Abschiebung gedroht, auch eine Grenzübertrittbescheinigung lag vor.

Bei einer Abschiebung in die Türkei droht Yigit politische Verfolgung und Gefängnis.
Bereits hier in Deutschland soll er immer wieder Todesdrohungen von AnhängerInnen des türkischen Präsidenten Erdogan erhalten haben.

Auf die Frage ob er sich fürchte wieder in die Türkei zurück zukehren oder abgeschoben zu werden sagte er damals: „Natürlich fürchte ich mich, wenn ich abgeschoben werde… In der Türkei werden Journalisten zum Schweigen gebracht.“

Ausländerbehörde dementiert die Ausweisung

Überraschend äußerte sich die Ausländerbehörde allerdings am Montag gegenteilig. Gegenüber dem SPIEGEL sagte sie: „Eine Abschiebung ist nicht beabsichtigt“.

Laut der Hamburger Ausländerbehörde wurde Yigits Antrag auf eine Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung abgelehnt, da die Voraussetzungen hierfür nicht mehr erfüllt seien. Er soll allerdings eine andere Aufenthaltserlaubnis erhalten. Dies sei auch vor einigen Wochen Yigit so mitgeteilt werden. Eine Abschiebung sei nicht geplant gewesen, die Androhung hätte nur aus „formalen Gründen“ in dem Bescheid stehen müssen. Die neue Genehmigung soll aus humanitären Gründen erfolgen, dafür müsse die alte allerdings erst auslaufen.

Adil Yigit allerdings sieht im Vorgehen der Ausländerbehörde einen Zusammenhang mit  seiner Protestaktion während der Pressekonferenz. Er wäre zu unbequem – Ihm sei ja bereits beim G20-Gipfel kurzfristig die Akkreditierung entzogen worden.

In den kommenden Tagen will sich Yigit nochmal in einem eigenen Pressestatement zu dem widersprüchlichen Vorgehen der Ausländerbehörde äußern.