Vor zwei Wochen begann die Offensive auf die libysche Hauptstadt Tripolis, angeleitet durch den selbsternannten General Khalifa Haftar. Nach Angaben von AnwohnerInnen gab es in der vergangenen Nacht erneute Explosionen.

Im Kampf um die libysche Hauptstadt Tripolis kam es in der vergangenen Nacht wiederholt zu Explosionen. Vor zwei Wochen entflammte der Konflikt zwischen Khalifa Haftar, Machthaber im östlichen Teil des Landes, und Fayiz as-Sarradsch als international anerkanntes Staatsoberhaupt Libyens. Dabei ist Letzterer tatsächlich nur Machthaber Tripolitaniens, also der nord-westlichen Region, in der auch Tripolis liegt. Von den erneuten Angriffen durch Truppen des Generals Haftar sind neben einem Flughafen vor allem Wohngebiete betroffen.

25.000 Menschen auf der Flucht

In den letzten zwei Wochen sind rund 200 Menschen getötet worden, nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation wurden 900 Menschen verletzt. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung nennt Wolfram Lacher von der Stiftung Wissenschaft und Politik den Konflikt bereits einen Bürgerkrieg und beschreibt die große Wahrscheinlichkeit eines „sehr langen Stellvertreterkriegs“.
Dabei spielt auch die Konkurrenz europäischer Nationen, wie Frankreich und Italien, eine Rolle. So schlägt sich Frankreich auf die Seite Haftars und verbreitet das Bild, seine Nationalarmee würde vor allem gegen den Islamischen Staat vorgehen. Sowohl Frankreich als auch Italien haben wirtschaftliche Interessen im ölreichen Libyen, bislang ist der italienische Ölkonzern Eni einer der bedeutendsten wirtschaftlichen Akteure dort.