Das mittlerweile deutsche Unternehmen „Monsanto“ stellt nicht nur das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat her, das mit hoher Wahrscheinlichkeit Krebs verursacht. Die Bayer-Tochter führt auch Listen über einflussreiche Personen in ganz Europa, die sich mit Glyphosat beschäftigen  – und es kritisieren. Diese sollen für die eigene Politik wahlweise „rekrutiert“ oder aber „erzogen“ und „überwacht“ werden.

Das zum deutschen Großkonzern Bayer gehörende Agrarunternehmen Monsanto hat Listen mit Persönlichkeitsdetails über Journalisten, Politiker und Umweltaktivisten erstellt – in ganz Europa. Das gab Matthias Berninger, Cheflobbyist von Bayer, am Montag zu. Laut dem ehemaligen Grünen-Politiker habe das Unternehmen dazu der externen PR-Agentur „Fleishman Hillard“ (FH) einen europaweiten Auftrag erteilt. FH ist eines der größten Beratungsunternehmen der Welt.

Die Vereinigung von Bayer und Monsanto

Zuerst waren solche Listen in Frankreich bekannt geworden. Dort hatte Monsanto im Jahr 2016 Listen von einflussreichen Personen geführt. Darunter befanden sich auch Ségolène Royal, Ex-Umweltministerin und Gegnerin des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, und Journalisten der Zeitung Le Monde und des Senders France 2.

Die Liste teilte die Menschen in vier Kategorien auf:

  1. Verbündete
  2. mögliche Verbündete/Personen zur Rekrutierung
  3. Personen zur Erziehung
  4. Personen zur Überwachung

Dann wurden den Personen noch persönliche Details hinzugefügt und Vorschläge für den PR-Umgang mit ihnen gemacht.

Die Mehrzahl der Personen auf der Liste sind GegnerInnen und KritikerInnen des Pflanzenschutzmittels Glyphosat. Dieses steht unter Krebsverdacht. Im Jahr 2016 fand innerhalb der EU ein Streit um die Wiederzulassung von Glyphosat statt. Die Liste war offenbar Teil einer Medienkampagne von Monsanto.

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Staatsanwaltschaft ermittelt

Derweil wird in Paris bereits gegen Monsanto ermittelt. Geklagt haben verschiedene Medienanstalten. Bayer kündigte am Sonntag an, den Vorgang zu untersuchen und seine Zusammenarbeit mit der externen Kanzlei „Fleishman Hillard“ auszusetzen. „Dies ist nicht die Art, wie Bayer den Dialog mit unterschiedlichen Interessensgruppen und der Gesellschaft suchen würde. Wir bitten daher um Entschuldigung.“, so Bayer in einer Erklärung.

Der neue Skandal setzt die Bayer-Führung weiter unter Druck. Erst kürzlich wurde sie bei ihrer Aktionärsversammlung nicht entlastet.

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Wer ist Bayer?

Bayer ist ein global operierender Chemiekonzern, der besonders in der Agrarchemie und der Pharmaindustrie einer der fünf Marktführer ist (und seit der Übernahme von Monsanto der Größte in der Agrar- und Saatgutindustrie). Geschichtlich gesehen entstand Bayer aus seinem Vorgänger IG-Farben, einem Chemiekonzern, der sich aus einem  Zusammenschluss der größten Chemiekonzerne Deutschlands 1925 gründete.

IG-Farben stellte damals in der Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten das Nervengas „Zyklon B“ her, mit dem Millionen von Juden in den Konzentrationslagern der Nazis vergast wurden. Heute ist Bayer besonders für die Kopfschmerztablette „Aspirin“ und für umweltschädliche Pestizide bekannt.

Wer ist Monsanto?

Monsanto wurde 1901 als Chemiekonzern in den USA gegründet und ist heute einer der unbeliebtesten Konzern der Welt. Im Juni 2013 gingen allein in den USA 2 Millionen Menschen auf die Straße, um gegen Monsanto zu demonstrieren. Bekannt geworden ist Monsanto insbesondere durch „Agent Orange“, das im Vietnam- und Korea-Krieg von der US-Armee eingesetzt wurde. Agent Orange sorgte für hunderttausende Tote im Krieg und hat zudem in den betroffenen Regionen bis heute Nachwirkungen bei Mensch und Natur – so liegen die Todeszahlen wohl weit höher.