Am kommenden Donnerstag beginnt im NATO-Hauptquartier und den Verteidigungsministerien der Mitgliedsstaaten eine sechstägige Großübung, die garantieren soll, dass das Bündnis im Falle einer russischen Aggression fähig ist, die nötigen politischen Entscheidungen einzuleiten.

Diese „Crisis Management Exercise“ (kurz: CMX) ist dabei erst die 22. derartige Übung seit Gründung der Allianz vor 70 Jahren

Wie wichtig die Übung für die NATO ist, zeigt sich beispielsweise daran, dass sämtliche Details „NATO SECRET“ sind. In der Übung werden nämlich vom Bündnisfall bis zur militärischen Reaktion alle Kriegsschritte in der Simulation durchgegangen. Diese läuft nach einem Drehbuch ab, das den möglichen (wenn auch nicht so bezeichneten) russischen Angriff schrittweise darlegt. Dabei soll in Brüssel täglich das weitere Vorgehen des Bündnisses vom NATO-Rat besprochen werden.

Ebenfalls wichtig: Die Übung beinhaltet weder reale SoldatenInnen noch Waffen, sondern dient vielmehr der Überprüfung interner Strukturen der NATO und ihrer Schlagkraft im Ernstfall. Die Aggression soll hybrid (kombiniert) verlaufen: zunächst kommt es zu Cyberangriffen auf ein nördliches Mitgliedsland der Allianz, gefolgt vom Einsickern inoffizieller Truppen in die Staaten (ähnlich dem Vorgehen auf der Krim).

Erstmals nach den Anschlägen des 11. September soll dann in diesem fiktiven Szenario der Bündnisfall ausgerufen werden, danach soll  auch eine simulierte militärische Reaktion nicht ausbleiben.

Deutschland nimmt an der CMX-Übung in Form des Wehrressorts teil und will auch die Einbindung der Regierung und des Parlaments bei der Mobilisierung der Bundeswehr simulieren.

Das ganze Manöver hat dabei einen Zweck: Russland (trotz fehlender namentlicher Nennung) und seinen Verbündeten zu zeigen, dass die NATO bereit ist, im Falle eines Angriffs zu handeln. Offiziell wird der Gegner der Übung als ein mitteleuropäisches Land bezeichnet, das im Besitz von Atomwaffen ist.

Parallel zur NATO-Übung werden die deutschen Behörden in einer nationalen Übung ihr Verhalten im Fall zweier Cyberangriffe und eines Terroranschlags simulieren. Diese parallele Übung soll die Zusammenarbeit deutscher Behörden im Krisenfall testen.