In Frankfurt ist ein 49-jähriger nach dem Einsatz einer Elektroschock-Pistole durch Polizisten im Krankenhaus verstorben. Erst kürzlich war der Taser als Waffe in Hessen eingeführt worden. Bereits Ende Januar war ein 56-Jähriger in Rheinland-Pfalz im Zuge eines Taser-Einsatzes gestorben.

In der hessischen Stadt Frankfurt hat die Polizei einen Mann mit einem Taser attackiert – vier Tage später verstarb er im Krankenhaus. Was war geschehen?

Nach Angaben der Polizeisprecherin Niesen habe die Ehefrau des Mannes zuvor einen Arzt verständigt, nachdem ihr Mann seine Diabetes-Medikamente nicht habe nehmen wollen. Als der Mediziner in ihrer Wohnung den 49-Jährigen Mann nicht davon überzeugen konnte, seine Medikamente einzunehmen, soll er eine Einweisung in eine Psychiatrie erwogen haben – entgegen dem Willen des Patienten.

Daraufhin habe der Arzt die Polizei gerufen. Diese habe mit dem Mann gesprochen, in der engen Küche sei die Situation dann jedoch aggressiv geworden. Daraufhin hätten die Polizisten einen Taser gegen den 49-jährigen Diabetiker eingesetzt. Beim Einsatz eines Tasers werden zwei kleine Nadeln verschossen, die sich in die Haut des Gegenübers bohren. Über die mit dem Gerät verbundenen Drähte werden dann Elektroschocks in den Körper geschossen.

Nach Einsatz der Elektroschocks kollabierte der 49-jährige und wurde in die Uniklinik gefahren. Vier Tage später verstarb er dort. Bisher ist die Todesursache offiziell noch nicht ermittelt. In der Uniklinik soll sich der getaserte Mann zusätzlich eine Lungenentzündung zugezogen haben.

USA: 87-Jährige mit Taser durch Polizei angegriffen

Taser wird gerade flächendeckend eingeführt

Bereits seit 2017 wird der Taser-Einsatz in Hessen getestet. Im Laufe des Jahres 2019 soll er flächendeckend in Hessen eingeführt werden. Noch in einem Bericht der Frankfurter Neuen Presse vom März 2019 erklärten zwei testende Polizisten, dass sie „das Gerät sehr zu schätzen gelernt“ hätten.

Sowohl der Einsatz von Pfefferspray als auch der von Hunden und Schlagstöcken sei oft mit durchaus schwerwiegenden Verletzungen verbunden. Der Taser hinterlasse dagegen keine bleibenden Schäden: „Derjenige hat danach zwar zwei kleine Einstiche, er bedarf vielleicht einer gewissen Betreuung. Aber die Langzeitfolgen sind doch weit geringer.“

Die Praxis scheint derweil zu beweisen, wovor Kritiker seit langem warnen: die Tödlichkeit dieser Waffe.

Toter in Rheinland-Pfalz

Schon Anfang des Jahres starb ein Mensch in Folge eines Taser-Einsatzes, diesmal im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Situation war hier ähnlich: In Pirmasens, östlich von Saarbrücken gelegen, sollte ein 56-jähriger Mann in ein psychiatrisches Krankenhaus verbracht werden. Laut Polizei habe sich der Mann gegen die Überführung gewehrt und den Einsatz des Elektroschockers notwendig gemacht.

Amnesty International warnt schon seit längerem vor Tasern. Die Risiken, die von solch einer Waffe im normalen Streifendienst ausgehen können, seien nicht überschaubar. Laut Amnesty International sind in den USA im Zeitraum von 2001 bis 2017 über 700 Menschen bei dem Einsatz von Elektroschockgeräten gestorben.