Das bundesweite Bündnis „NSU-Komplex auflösen“ macht in einer Erklärung auf Zusammenhänge zwischen dem Mord an Walter Lübcke und den Morden des NSU aufmerksam.

„Der Mord an Walter Lübcke dokumentiert das Weiterwirken des NSU-Komplexes und die fortgesetzte Existenz des niemals vollständig aufgeklärten ‚Netzwerks von Kameraden‘, wie die Selbstbezeichnung des NSU in seinem Bekennervideo lautete“, so das Bündnis in der am Mittwoch veröffentlichten Erklärung.

In der Vergangenheit hatten die Familienmitglieder der Ermordeten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) ebenso wie NebenklageanwältInnen und antifaschistische Initiativen immer wieder auf die Möglichkeit weiterer Morde hingewiesen.

Der Umgang der Behörden mit dem Mord an Walter Lübcke erinnert die Initiative an den Umgang während der vergangenen NSU-Morde: Die Betroffenen werden nicht geschützt, für die neonazistischen Netzwerke sind die Taten weitestgehend folgenlos, und dadurch ermutige jede Tat die nächste.

Die Initiative erinnert daran, dass Walter Lübcke bereits auf der Todesliste des NSU stand und unter anderem von seinem späteren Mörder im Internet als „Volksverräter“ bezeichnet wurde. Zwischen den ersten Morden des NSU und dem jetzigen sieht die Initiative eine direkte Verbindung, da die Tatbegehung und der politische Zusammenhang „dröhnend an das ein Jahrzehnt lang andauernde und durch mehr als 40 V-Männer vielfältig ‚betreute Morden‘ des NSU“ erinnern.

Die Initiative fordert daher:

  • einen umfassenden und sofortigen Schutz der Betroffenen. Alle, die auf den zahlreichen Feindeslisten der Nazis stehen, müssen umgehend informiert und geschützt werden.
  • die Einsetzung einer internationalen und unabhängigen Ermittlungskommission zur Aufklärung des Mords an Walter Lübcke und der Bezüge zum NSU.
  • eine unabhängige Ermittlungskommission zur Aufklärung der rechten Netzwerke in der hessischen Polizei.
  • Umgehende Offenlegung aller hessischen Geheimdienstakten zum NSU-Komplex, insbesondere zum Fall Temme.