Die Schiffe waren im Ostchinesischen Meer unterwegs. Beide Länder beschuldigen sich gegenseitig, für den Vorfall verantwortlich zu sein. Die Meeresregionen rund um China sind seit Jahren Schauplatz von Auseinandersetzungen.

Ein russisches und ein amerikanisches Kriegsschiff sind im Ostchinesischen Meer beinahe zusammengestoßen. Beide Länder warfen sich danach gegenseitig gefährliche Manöver vor. Laut Darstellung der russischen Pazifikflotte habe die „USS Chancellorsville“ dem eigenen U-Boot-Zerstörer „Admiral Winogradow“ den Weg abgeschnitten, sodass dieser ein Notfallmanöver habe einleiten müssen. Beide Schiffe hätten sich einander bis auf 50 Meter genähert. Der ehemalige Generalstabschef der russischen Marine, Viktor Krawtschenko, warf den USA laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax „Rowdytum“ vor.

Die amerikanische Seite erklärte dagegen, die „Admiral Winogradow“ habe den Vorfall durch ein „gefährliches und unprofessionelles“ Manöver ausgelöst. Der kommissarische US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan kündigte gegenüber Journalisten an, die USA wollten offiziell Protest einlegen. Der Zwischenfall, so Shanahan, werde „uns nicht von unseren Aktionen abhalten“.

In den vergangenen Jahren kam es häufiger zu Zwischenfällen zwischen Schiffen oder Flugzeugen beider Staaten, etwa in Osteuropa. Die Gewässer rund um China sind wiederum seit langer Zeit umkämpfte Gebiete zwischen einer Reihe von Ländern. Das Ostchinesische Meer liegt zwischen China, Korea, Japan und Taiwan und hat damit eine hohe geostrategische Bedeutung. In dem Gebiet befinden sich unter anderem die Senkaku-Inseln, auf die sowohl China, Taiwan als auch Japan Anspruch erheben – insbesondere seit dort große Öl- und Gasvorkommen vermutet werden. Ebenso umstritten ist der Socotra-Fels, der seit 2003 von Südkorea kontrolliert wird. China und Russland hielten zuletzt im Mai 2014 ein gemeinsames Flottenmanöver im Ostchinesischen Meer ab.