Die rechte Gruppierung „Blood and Honour“ wurde 2000 durch den deutschen Staat verboten. Doch das Netzwerk arbeitete weiter, unter anderem unter der Führung von Spitzeln deutscher Geheimdienste. Ebenso blieben ihr „bewaffneter Arm“ mit dem Namen „Combat 18“ so wie deren Symbole weiterhin erlaubt. Nach dem Mord an CDU-Politiker Walter Lübcke wird nun ein Verbot von „Combat 18“ geprüft. 

Am vergangenen Mittwoch gestand der rechtsgesinnte Stephan Ernst den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Er selbst gab an, dass der Grund für den Mord die Empörung über Lübckes Aussagen zur Flüchtlingspolitik gewesen seien.

Bei einer Veranstaltung im Jahre 2015, in der Lübcke sich äußerte, dass Menschen, die bestimmte Werte des Zusammenlebens nicht teilten, das Land gerne verlassen können, soll Ernst sogar anwesend gewesen sein. Die Aussage Lübckes richtete sich vor allem als Kritik an Menschen, die sich gegen die Aufnahmen von Personen mit Fluchthintergrund aussprachen.

Darüber hinaus teilte Ernst mit, als Einzeltäter gehandelt zu haben. Die Glaubwürdigkeit dessen ist in Frage zu stellen, denn im Laufe des Ermittlungsverfahren wurden immer mehr Verbindungen zwischen dem Mörder und der Combat 18-Gruppierung deutlich. Innenminister Horst Seehofer (CSU) kündigte nun an, ein Verbot von Combat 18 zu prüfen.

Wer oder was sind „Blood and Honour“ und „Combat 18“ überhaupt?

„Blood and Honour“ bedeutet auf deutsch so viel wie „Blut und Ehre“ und ist ein länderübergreifendes rechtsextremes Netzwerk, das es sich zum Ziel gesetzt hat, verschiedenste rechte Gruppierungen international mit einander zu koordinieren, sowie rechte Ideologie zu verbreiten. Das Netzwerk wurde in Deutschland im Jahr 2000 verboten.

„Combat18“ gilt als bewaffneter Arm der „Blood and Honour“-Struktur und ist ebenfalls in mehreren europäischen Ländern aktiv. Übersetzt steht „Combat 18“ für „Kampfgruppe Adolf Hitler“ (die Zahlen entsprechen im Alphabet dem 1. und 8. Buchstaben und damit dem A und H in den Anfangsbuchstaben von Adolf Hitler).

Ernst hatte Kontakt zu „Combat 18“

Spätestens seit Anfang der 2000er Jahre wohnt Ernst in Kassel. Dort beteiligte er sich unter anderem an NPD-Auftritten und -Demonstrationen. Des weiteren gehörte er zum engeren Kreis um Mike Sawallich, einem führenden Mitglied der „Oidoxie Streetfighting Crew“. Diese gab damals vor, das deutsche „Combat 18“ zu repräsentieren.

Ihre bewaffnete Strategie bezeichnet die Gruppe selbst als „führerlosen Widerstand“. Darin werden Anhänger aufgefordert, kleine rechtsterroristische Zellen zu bilden und Attentate zu verüben. Im Handbuch von Blood & Honour, dem „Field Manual“, heißt es dazu: „Führerloser Widerstand ist in Deutschland zwingend notwendig“. Die Attacken von Ernst entsprechen diesem Konzept.

Combat 18, NSU und Verfassungsschutz

Auch der „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU), der u.a. zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen ermordete, gehörte höchstwahrscheinlich zum Blood&Honour/Combat 18-Netzwerk.

Bereits im Jahr 1999 zählte das Thüringer LKA die Neonazis des NSU „zum harten Kern der Blood and Honour-Bewegung in Jena“. Auch war das gesamte Unterstützerumfeld von führenden Blood&Honour-Mitgliedern durchsetzt. Dabei handelte es sich teilweise um langjährige Spitzel des deutschen Geheimdienstes „Bundesamt für Verfassungsschutz“ (BfV).

Mitte 2017 wurde dann bekannt, dass die gesamte B&H-Struktur durch einen Spitzel des Verfassungsschutzes aufgebaut wurde.