Bei der „Jobbörse“ der Agentur für Arbeit wurden zehntausende Fake-Angebote eingestellt. Das Ziel: Lebensläufe von ArbeiterInnen zusammenzustellen und diese ohne deren Wissen zu verkaufen. Seit Jahren gibt es darauf Hinweise, doch erst zwei Monate nach einem Medienartikel hat die Jobbörse nun Stellenangebote gelöscht – bisher alleine 127.000 Fake-Angebote.

Anfang Mai hatte der Südwestrundfunk nach einer intensiven Recherche einen Skandal bei der „Jobbörse“ aufgedeckt. Dabei handelt es sich um ein Portal zur Arbeitsplatzsuche, das von der Agentur für Arbeit bereitgestellt wird (jobboerse.arbeitsagentur.de). Es wird auch intern bei der Arbeitsvermittlung durch MitarbeiterInnen genutzt.

Auf der Jobbörse wurden fiktive Jobangebote von Firmen gemacht, sodass Bewerber ihren Lebenslauf, Zeugnisse und weitere Daten übersandten. Doch diese Daten wurden dann nicht – wie gesetzlich vorgeschrieben – vertraulich behandelt. Die Fake-Anbieter sammelten die Daten und verkauften sie weiter – zum Beispiel an Leiharbeitsfirmen.

Die JournalistInnen des SWR konnten sogar selbst ein Angebot für die erschlichenen Daten erhalten. Eine Firma bot ihnen ein Datensatz für drei € oder aber eine „Flatrate“ für monatlich 3.000 bis 5.000 Bewerberdaten.

Jobbörse leugnet zu erst – doch löscht nun Stellenangebote

Zu den damaligen Enthüllungen meinte die Agentur für Arbeit zuerst, es lägen ihr keine Informationen über Missbrauch durch Datenhändler vor. Dabei gibt es laut der Linken-Bundestagsabgeordneten Jessica Tatti bereits seit zehn Jahren Hinweise zu Datenmissbrauch bei der Jobbörse der Arbeitsagentur.

Nun hat Arge nachgezogen. So seien „im Rahmen der aktuellen, intensiven Prüfungen“ rund 41.000 Stellenangebote mit rund 127.000 Stellen deaktiviert worden. Das sind über 5% aller Stellen. Laut BA waren auf der Online-Jobbörse zum Stichtag 20. Mai rund 1,3 Millionen Stellenangebote mit rund 1,9 Millionen Arbeits- und Ausbildungsstellen veröffentlicht.