Seit der Übernahme des berüchtigten Saatgutherstellers Monsanto durch den deutschen Bayer-Konzern hat sich der Börsenwert des Unternehmens halbiert. Eine Recherche zeigt: Der Aufkauf wurde unter anderem mit europäischen Steuergeldern finanziert.

Im Juli 2018 übernahm der deutsche Chemie-Konzern Bayer den amerikanischen Hersteller für Saatgut, Monsanto – der damalige Kaufpreis: 62 Milliarden Euro. Seitdem ist das fusionierte Unternehmen an der Börse abgestürzt. Bei der letzten Aktionärsversammlung wurde deswegen sogar der Vorstand nicht entlastet – ein einmaliger Vorgang in der Geschichte eines deutschen DAX-Konzerns.

Doch wer finanzierte eigentlich vor rund einem Jahr diese riskante Übernahme? Wie Gaby Weber bei heise.de schreibt, waren es auch die europäischen Steuerzahler.

Ein Geschenk-Programm für europäische Konzerne

Im März 2016 beschloss die Europäische Zentralbank (EZB) das Corporate Sector Purchase Progamme (CSPP). Dabei handelte es sich um ein Programm, dass Aktien großer Konzerne aufkauft und sie damit praktisch subventioniert. Für dieses Aufkaufprogramm haften im Fall einer Unternehmenspleite die nationalen Zentralbanken des Euro-Systems und damit letztendlich die Steuerzahler.

Eine Liste der EZB zeigt, wer mit diesen Geld-Geschenken unterstützt wurde: Daimler, Telecom, Vonovia – und eben auch Bayer.

Proteste bei der Aktionärsversammlung von Bayer

Der Fall Bayer

Als Bayer den Konzern Monsanto übernahm, soll nur ein Viertel der Summe aus Eigenkapital gestemmt worden sein. Darüber hinaus gab es noch frisches Geld durch die Ausgabe neuer Aktien sowie eine Finanzierung durch die Bank of America, die Crédit Suisse und das Haus Rothschild. Dass damit die 62 Milliarden gedeckt worden sind, ist unwahrscheinlich. Ein gewichtiger Teil muss aus dem CSPP-Programm der EZB gekommen sein.

Wie ein Sprecher der EZB bestätigte, seien die von der Bayer AG und der Bayer Capital Group ausgegebenen Anleihen für den Kauf Monsantos in sechs Transaktionen übernommen worden. Über den genauen Umfang schweigt die EZB bisher.