Die Kinderklinik in Sankt Augustin ist einmalig in der Region. Für viele Eltern und Kindern, vor allem mit chronischen Krankheiten, ist die Klinik unverzichtbar. Nun will der private Träger Asklepios sie schließen, da er sich nicht genügend Profit verspricht. In der Kleinstadt im Rheinland organisieren die Menschen Proteste.

Die Kinderklinik war bisher ein Anlaufpunkt aus der ganzen Region für Eltern mit Kindern mit Herzkrankheiten, Krebs, Behinderungen und chronischen Krankheiten.
Die dort geleistete Versorgung lässt sich woanders in der Nähe nicht finden.

Durch den Abgang zweier Chefärzte und einiger Pflegerinnen und Pfleger – Beschäftigte der Klinik nennen unter anderem schlechte Arbeitsbedingungen als Grund – muss die Herzchirurgie nun geschlossen werden.

Der betreibende Konzern Asklepios gibt Auskunft, seitdem eine Profiteinbuße von 45 Prozent zu erleiden. Deshalb will der Konzern nun die ganze Klinik schließen und lässt somit aus Profitgier eine klaffende Lücke im Gesundheitsversorgungsnetz im Rhein-Sieg-Kreis und darüber hinaus.

400 protestieren gegen Schließung

Am gestrigen Samstag protestierten etwa 400 Menschen – für die Kleinstadt Sankt Augustin eine hohe Anzahl – gegen die Schließung der Kinderklinik. Auf Transparenten und Schildern waren Sprüche wie „Was ist wichtiger? Kinder oder Profit?“ Oder „gegen Gier, Profit und Zynik – rettet unsere Kinderklinik“ zu lesen. Auch Arbeitende der Klinik schlossen sich dem Protest an und selbst Patientinnen und Patienten hielten Schilder aus den Balkonen.

Eine Petition gegen die Schließung der Kinderklinik hat bereits 25.000 Unterschriften erhalten – das entspräche der Hälfte der Sankt Augustiner Bevölkerung.

Politiker machen vorgezogenen Wahlkampf

Die Rednerinnen und Redner waren zum größten Teil KommunalpolitikerInnen wie der Sankt Augustiner Bürgermeister Klaus Schumacher (CDU) und der stellvertretende Landrat des Rhein-Sieg-Kreises (SPD).

Eine Gruppe etwas jüngerer Teilnehmer am Protest kritisierte das als vorgezogenen Wahlkampf im Hinblick auf die Kommunalwahlen nächstes Jahr.
„Wenn die CDU sich hier auf die Straße stellt und irgendwelche Appelle ablässt, dass die Klinik bleiben solle, während sie in Stadt und Kreis regiert, kann es nur Heuchelei oder Kapitulation vor den Konzernen sein“, so einer der Jugendlichen.

Schließung, Verkauf, Enteignung?

Unter anderem die Linkspartei fordert eine Rekommunalisierung der Klinik.
Die Klinik war anfangs bereits ein kommunales Krankenhaus, danach in den Händen der Johanniter und diese verkauften sie schließlich an Asklepios.
Asklepios machte in diesem Rahmen das Angebot, die Klinik für geringe Summen an den Kreis zu verkaufen.

Die Linksjugend Solid´ Rhein-Sieg will das Krankenhaus weder in den Händen von einem profitorientierten Konzern, noch in denen wahlkampflauniger Kommunalpolitiker sehen, sondern startete eine Initiative für die entschädigungslose Enteignung des Konzerns und fordert, dass die Klinik von den dort arbeitenden Menschen geführt wird. Diese wüssten schließlich am besten, was für die Gesundheit der Patientinnen und Patienten nötig ist.