Das Navigationsnetz „GPS“ ist Smartphone-NutzerInnen bekannt – doch es ist vom amerikanischen Militär dominiert. Vor drei Jahren startete deshalb das europäische „Galileo“ seinen Dienst. Es wurde mit Milliarden Steuergeldern aufgebaut, um die europäische (militärische) „Souveränität“ zu gewährleisten. Doch seit einigen Tagen ist das Gesamtsystem ausgefallen.

Das bestätigte am Samstag die Europan Global Navigation Satellite Systems Agency auf ihrer Website. Schon seit Donnerstag begann der stückweise Ausfall des Navigationsnetzwerks. Wann der Dienst wieder online gehen kann, sei noch offen.

Zu den Ursachen gibt es bisher keine offiziellen Angaben. Die zwei Galileo-Kontrollzentren liegen in Oberpfaffenhofen bei München sowie in Fucino in Italien. Nach Angaben des Fachdienstes InsideGNSS soll das Problem von der Bodenstation in Italien ausgehen, die für die Übermittlung der Galileo-Systemzeit verantwortlich ist. Angeblich war das Sicherheits-Back up nicht verfügbar.

Milliarden öffentliche Gelder

Ähnlich wie bei allen Großprojekten, die staatlich bezahlt werden, sind auch beim Galileo-System die Kosten explodiert. Ursprünglich sollte es 2,9 Milliarden Euro kosten und schon 2008 in Betrieb gehen. Mittlerweile wird von 9,6 Milliarden Euro Gesamtkosten bis 2020 ausgegangen. Davon sollen allein die deutschen Steuerzahler 1,9 Milliarden € übernehmen.

Profitiert haben dabei auch deutsche Unternehmen wie „OHB Technology“. Im Januar 2010 erhielt das Unternehmen einen Auftrag über den Bau von 14 Satelliten für das Galileo-System. Der Auftragswert betrug 566 Millionen Euro.

Ein Jahr später wurde Berry Smutny, der Vorstandsvorsitzende von OHB-System AG entlassen, nachdem WikiLeaks Einzelheiten aus einem Gespräch Smutnys mit amerikanischen Botschaftsangehörigen veröffentlicht hatte. Smutny soll Galileo als „dumme Idee“ bezeichnet haben, mit der das Geld der europäischen Steuerzahler verschwendet werde – obgleich sein eigenes Unternehmen die Satelliten baute.