US-Präsident Trump spielt Berichten zufolge mit dem Gedanken, die Insel Grönland von Dänemark zu kaufen. Was angeblich ein Scherz gewesen sein soll, hat einen sehr ernsthaften geostrategischen Hintergrund.

Es waren offenbar private Gespräche des US-Präsidenten mit Vertrauten, über die zuerst das Wall Street Journal berichtete. Demnach habe Donald Trump bei mehreren Gelegenheiten „mit einem unterschiedlichen Grad an Ernsthaftigkeit“ die Idee geäußert, die größte Insel der Erde, die dänische Kolonie Grönland zu kaufen.

Der Bericht, der von den Agenturen Reuters und AP aufgegriffen wurde, war ernsthaft genug, um heftige Reaktionen bei amerikanischen, dänischen und grönländischen Politikern auszulösen:

„Eine komplette und totale Katastrophe“, schrieb der ehemalige US-Botschafter in Dänemark, Rufus Gifford, auf Facebook. Dänemarks ehemaliger Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen nannte die Idee einen Aprilscherz, „nur komplett aus der Saison“. Grönlands Außenministerin Ane Lone Bagger sagte gegenüber Reuters: „Wir sind offen für Geschäfte. Aber wir stehen nicht zum Verkauf.“

Gezielter Aufreger kurz vor Staatsbesuch in Dänemark

Es dürfte kein Zufall sein, dass Trumps angebliche Gedankenspiele gerade jetzt aus seinem Umfeld an die Presse durchgestochen wurden. Anfang September wird der US-Präsident zum Staatsbesuch nach Kopenhagen reisen. Dabei wird die Grönland-Frage wahrscheinlich auf der Tagesordnung stehen. Denn die Insel im Nordatlantik ist seit Jahrzehnten ein brisantes Thema in den amerikanisch-dänischen Beziehungen.

Schon der frühere US-Präsident Harry Truman wollte die Insel kaufen. Das war 1946, und Truman bot Dänemark damals 100 Millionen Dollar. Aus dem Geschäft wurde nichts. Doch in den 1950er Jahren machten beide Staaten Grönland zum gemeinsamen NATO-Verteidigungsgebiet. Die USA unterhalten dort mit der Thule Air Base seitdem einen wichtigen Militärstützpunkt. Hierfür wurden Anfang der 1950er Jahre die in Thule ansässigen Inuit (indigene Völker der Arktis) zwangsumgesiedelt.

Beherrschung Grönlands hat strategische Bedeutung

Grönland ist für die USA in mehrfacher Hinsicht bedeutend: Unter dem langsam tauenden Eis der Insel liegen wichtige Rohstoffe wie Öl, Kohle, Zink, Kupfer, Uran, Sand – und die für die Hightech-Industrie unverzichtbaren Seltenen Erden, deren Markt bislang zu 95 Prozent von China kontrolliert wird. Die Erderwärmung wird den Abbau in naher Zukunft rentabel machen, und die USA dürften sich auf diesen Zeitpunkt geschäftlich und technisch vorbereiten wollen.

Seine Lage macht Grönland außerdem zu einem wichtigen geostrategischen Stützpunkt für die Kontrolle der Arktis. Der Klimawandel wird in der Region wichtige Schifffahrtsrouten freilegen, die den Seeweg z.B. von der US-Ostküste nach Asien stark verkürzen werden. Nicht umsonst kämpfen die arktischen Anrainerstaaten USA, Russland, Norwegen, Dänemark und Kanada seit Jahren um diese Region.

Ob die knapp 60.000 BewohnerInnen Grönlands über ihre Zukunft mitentscheiden dürfen, ist fraglich. Die Insel erlangte zwar 1979 die Selbstverwaltung in innenpolitischen Fragen und ist infolge einer Volksabstimmung von 1982 kein EU-Mitglied. Sie ist aber als „Nation innerhalb des Königreichs Dänemark“ immer noch weitgehend von der Kolonialmacht abhängig.

Das betrifft vor allem die Außen- und Verteidigungspolitik, für die weiterhin Dänemark zuständig ist. Eine Unabhängigkeit unter amerikanischer Schirmherrschaft gilt jedoch als denkbar. Der Spiegel zitiert Mikkel Vedby Rasmussen, einen Kopenhagener Politikwissenschaftler, mit den Worten: „Die einzige Unabhängigkeit, an die ich nicht glaube, ist eine Unabhängigkeit ohne die USA.“