In dieser Woche finden überall in Deutschland Aktionen für ein besseres Klima statt. Insbesondere StudentInnen haben zu einer Klimastreikwoche aufgerufen. Eine Woche nicht zu den üblichen Vorlesungen gehen, sondern ein klimafreundliches Alternativprogramm aufstellen, so lautet der Plan. – Tabea Karlo hat sich die Aktionen rund um die Wuppertaler Uni mal genauer angeschaut und ist dabei auf eine Hörsaalbesetzung gestoßen.

Die Klimastreikwoche wird von den „Students for Future“ organisiert, der Studierenden-Organisation der Fridays for Future-Bewegung. Innerhalb dieser Woche haben sich die Studierenden nicht nur vorgenommen die Uni zu bestreiken, sondern auch ein Alternativprogramm aufzustellen. Dieses Alternativprogramm nennt sich „Public Climate School“ (dt. Offene Klima-Schule) und bietet innerhalb der Klimastreikwoche ein Programm, bei dem sich alle Interessierten gemeinsam mit dem Thema Klima und Klimakrise beschäftigen können. Ich habe mir diese Aktionen an der Wuppertaler Uni mal genauer angeschaut und war dann sogar bei einer Hörsaalbesetzung mit dabei.

Im Zusammenhang mit der Klimastreikwoche stellen sich verschiedene Fragen: Erstens, warum soll man von einem einzigen Streiktag auf eine Woche umsteigen, warum ein Alternativprogramm anbieten statt nur zu streiken, und warum organisiert man radikalere oder zumindest störendere Aktionen wie Hörsaalbesetzungen?

Die Klimastreikwoche ist aus dem Grund entstanden, dass nun schon seit einem Jahr auf die Straße gegangen wird und all das herzlich wenig gebracht hat. Daher wurde sich entschieden, die Aktionsformen ein wenig weiter „nach oben“ zu schrauben. Da es bei diesen Streiks um komplexe politische und gesellschaftliche Themen geht, wird ein Programm aufgestellt, das es ermöglicht, sich mit diesen Problemen auch näher zu beschäftigen. Das hat einen größeren Effekt als einfach nicht zur Universität zu gehen. Doch warum noch weiter gehen und durch Aktionen wie Hörsaalbesetzungen den Universitätsbetrieb stören? Um das zu erklären, möchte ich euch einen kurzen Erfahrungsbericht zur Besetzung in Wuppertal liefern.

Streiken wir für unsere Zukunft!

In der Stadt Wuppertal wurde die Hörsaalbesetzung von einer anderen Gruppe als den Students for Future organisiert und zwar vom Wuppertaler „Studierenden Kollektiv“, trotzdem fand sie explizit im Rahmen der Klimastreikwoche statt. Die Gruppe hatte schon Tage vorher für ihre Aktion geworben, jedoch nur indirekt. Auf Flyern, Plakaten und im Internet rief sie zu einer alternativen Vorlesung zum Thema „Vision einer nachhaltigen Zukunft“ auf, der Treffpunkt dafür lag am Haupteingang der Uni.

An diesem Treffpunkt fanden sich um 14 Uhr circa 30 Menschen ein, darunter nicht nur Studierende, sondern erfreulicherweise auch MitarbeiterInnen der Universität. Gemeinsam machten wir uns dann auf dem Weg zum Hörsaal 21. Im Foyer vor dem Hörsaal rief dann einer der organisierenden Studenten alle zusammen und informierte über den Ablauf der Veranstaltung. Denn durch die Bewerbung als Vortrag war noch nicht allen klar, auf was für eine Aktion sie sich eingelassen hatten. Bei dieser Erklärung wurde sehr darauf geachtet, niemanden zu verschrecken und alle Fragen zu beantworten, damit auch jede/r, die/der mitmacht, ein gutes Gefühl dabei hat. Und dann kam die Frage, die sich viele stellten: Warum besetzen, hättet ihr nicht einfach etwas mieten können?

An dieser Stelle zitiere ich einfach die Antwort der Mitglieder des Studierenden Kollektivs:

„Wir haben uns bewusst entschieden, einen Hörsaal zu besetzen und keinen Raum anzumieten. Diese Entscheidung haben wir getroffen, weil wir denken, dass an unserer Uni viel zu wenig getan wird. Die Universität könnte viel nachhaltiger sein, aber auch in Bezug auf andere soziale Fragen mehr tun. Zu diesem Zweck haben wir drei Forderungen ausformuliert:

1. Reale nachhaltige Unipolitik (Diese Forderung lehnt sich an die Forderungen, die die Students for Future Wuppertal aufgestellt haben, an.).

2. Kostenlose Bildung, weg mit dem Semesterbeitrag, Freikopien und Rückerstattung von Geldern, die für Laptops und Bücher ausgegeben werden mussten.

3. Einführung einer „Zivilklausel“ (einer Klausel in der Grundordnung einer Universität, die diese verpflichtet, ausschließlich zu friedlichen Zwecken zu forschen).

Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben wir uns entschieden, den Unibetrieb zu stören und nicht einfach neben ihm her zu protestieren.“

Und dann ging auch schon los, die Menge von 30 Menschen drängte durch die viel zu enge Tür in den Vorlesungssaal hinein. Vorne ein Professor, der gerade seine Geografievorlesung begonnen hatte. Einer der StudentInnen trat vor und erklärte dem Professor, dass seine Vorlesung nun beendet sei und der Raum durch das Kollektiv übernommen und somit zum Teil der Klimastreikwoche gemacht werde. Über genau diesen Moment habe ich später noch mit einigen der Studierenden gesprochen und alle waren sich einig, dass dort ein ungemeines Gemeinschaftsgefühl herrschte. Man fühlte sich der Gruppe zugehörig und war selbstbewusst. Man wusste ja, aus welchen Gründen man sich für die Aktion entschieden hatte. Und das spürte auch der Professor, er brach seine Vorlesung ab und ließ den Studierenden den Vortritt.

Nachdem alle in den Reihen und zwischen den teilweise sitzen gebliebenen Studis Platz gefunden hatten, konnte die „Vorlesung“ beginnen. In einer kurzen Einleitung wurde noch einmal für alle dargelegt, warum man sich für diese Aktion entschieden habe und was für Beiträge folgen würden. Es wurde erklärt, dass versucht werde, die Veranstaltung so aufzuziehen, wie man sich Vorlesungen idealerweise wünschen würde. Es wurde explizit darauf hingewiesen, dass Fragen und Diskussionen jederzeit erwünscht seien und auch, dass am Rand des Hörsaals Snacks und Getränke zu Verfügung stünden.

Der erste Vortrag wurde von einer jungen Frau zum Thema „Umweltschutz und Antikapitalismus“ gehalten. Während des Vortrags gab es einen vorbereiteten Input, doch es fanden sich auch schnell Studierende, die Lust hatten über das Gesagte zu diskutieren, und es entstand ein reges Gespräch.

Im zweiten Teil berichtete ein Student über die Uni und über verschiedene Orte, an denen man aktiv werden könne, über Probleme und über Aktionsformen. Auch er nahm sich die Zeit noch einmal ausführlich zu begründen, warum man einen Hörsaal besetzt habe, und um auch von vergangenen Protesten an der Uni zu berichten.

Der dritte Teil war ein Workshop zum Thema „Wie wollen wir leben?“, in dem sich die Anwesenden selber überlegten, was gerade schief läuft und wie man das ändern könnte. Der vierte und letzte Beitrag war ein externer Vortrag des Nicaragua-Büros darüber, was die Klimakrise real bedeute und wie wir unsere Produktionsweise ändern müssten.

Um circa 18 Uhr endeten die Veranstaltungen. Dies hatte man im Vorfeld beschlossen, um allen Beteiligten die Teilnahme an weiteren Aktionen im Rahmen der Klimastreikwoche zu ermöglichen.