Verhandlungen zwischen IG-Metall und Arbeitgeberverband Gesamtmetall erneut gescheitert. Ostdeutsche ArbeiterInnen der Metall- und Elektroindustrie sollen weiter drei Stunden mehr arbeiten für weniger Geld.

Seit mehr als anderthalb Jahren verhandelt die Industriegewerkschaft IG Metall nun mit dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall über die Angleichung der Arbeitszeit zwischen Ost- und Westdeutschland. Was 30 Jahre nach dem Ende der deutschen Teilung eigentlich selbstverständlich sein sollte, ist es eben nicht: Die Arbeitsbedingungen und Löhne in Ost und West unterscheiden sich nach wie vor stark.

Allein in diesem Jahr fanden elf Verhandlungstage zwischen Gewerkschaft und den Industrievertretern statt. Für das nun erfolgte Ende der Gespräche geben sich beide Seiten gegenseitig die Schuld.

Während sich der Arbeitgeberverband als Unschuldslamm darstellt und so tut, als wisse er nicht, warum die Gewerkschaft die Gespräche für gescheitert erklärt, macht die IG Metall klar die Unternehmerseite für den Abbruch der Verhandlungen verantwortlich. Demnach soll der Arbeitgeberverband immer wieder ursprüngliche Zusagen nicht eingehalten oder sogar zurückgenommen haben.

Zuletzt hatte die IG Metall vor über 16 Jahren versucht, die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland durchzusetzen. Damals setzte sie nicht nur auf zähe Verhandlungen, sondern auch auf Streiks der Belegschaften. Sie konnte sich trotzdem nicht durchsetzen.

In Ostdeutschland sind rund 500.000 Menschen in der Elektro- und Metallindustrie beschäftigt. Von diesen arbeiten allerdings nur noch 80.000 an einem Arbeitsplatz, der an einen Tarifvertrag gebunden ist. Diese Zahlen zeigen klar die Schwäche der IG Metall in Ostdeutschland. Die Gewerkschaft will nun die 35-Stunden-Woche in den jeweiligen Betrieben einzeln erkämpfen.