Drehtür Politik-Wirtschaft: Der ehemalige Vize-Kanzler, Wirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel übernimmt einen bedeutenden Posten in einem Großkonzern. Er soll Mitglied im Aufsichtsrat von Deutschlands wichtigster Bank, der Deutschen Bank werden. Bereits zuvor war er als Manager bei Siemens-Alstrom und als Chef-Lobbyist der Autoindustrie gehandelt worden.

Sigmar Gabriel hat eine lange Karriere in der Politik hinter sich. 14 Jahre lang saß er im deutschen Bundestag. In den letzten Jahren war er erst Wirtschafts- und später Außenminister. Auch war er Angela Merkels Stellvertreter. Zudem hat er zwischen 2009 und 2017 die Sozialdemokratische Partei Deutschlands geführt. Doch offenbar fühlt sich der ehemalige Top-Politiker mehr den Großkonzernen als den ArbeiterInnen verpflichtet.

Wie die Deutsche Bank am Freitag mitteilte, soll Sigmar Gabriel in ihren Aufsichtsrat bestellt werden und damit den Posten des ehemaligen Schweizer Großbänkers Jürg Zeltner besetzen. Gabriel soll auf der nächsten Aktionsärsversammlung gewählt werden, nachdem er vorher als Mitglied des Kontrollgremiums der Bank berufen wurde.

Warum Gabriel?

Die Deutsche Bank spricht in ihrer Erklärung zur Berufung Gabriels von „geopolitisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich herausfordernden Zeiten“, in denen dieser seine Rolle spielen solle. Gabriel sieht darin in einer ersten Reaktion eine „große Ehre“. Er wolle die Geschicke der Bank mit einer „nun klaren Strategie“ mit leiten.

Was darunter zu verstehen ist, hat Gabriel schon in seiner Zeit als aktiver Politiker klar gemacht: So liegt ihm der Aufbau der EU zur Großmacht am Herzen – inklusive militärischem Potenzial: „Europa braucht auch eine gemeinsame Machtprojektion in der Welt. Die darf sich nie auf das Militärische allein konzentrieren, aber sie darf auch nicht vollständig darauf verzichten. Denn als einziger Vegetarier werden wir es in der Welt der Fleischfresser verdammt schwer haben“, so Gabriel Anfang 2018.

Auch ist er offen, sich für die Macht Deutschlands in der Welt einzusetzen: „Wir haben nicht nur Werte, sondern auch Interessen“, erklärte Gabriel Ende 2017.

Platz an der Sonne für die EU

 

Gabriel hat es geschafft

Seit dem Ende seiner politischen Karriere hat Gabriel bereits mehrfach versucht, eine Rolle in der Deutschen Unternehmenslandschaft zu finden. So wurde er als Lobbyist für die deutsche Autoindustrie ebenso gehandelt, wie als Verwaltungsrat des neu entstehenden deutsch-französischen Unternehmens Siemens-Alstom. Deren Fusion wurde jedoch untersagt. Nun soll Gabriel seine gesammelten Kontakte also bei der Deutschen Bank ausspielen können.

Der Wechsel führender SPD-Politiker in die Wirtschaft ist nicht unüblich. So ist Alt-Kanzler Gerhard Schröder heute wichtiger Akteur beim russischen Energie-Riesen Gazprom. Zuvor hatte er sich intensiv um ein Pipeline-Projekt für den Gas-Lieferanten bemüht.