Luxus-Autos, viel zu hohe Manager-Gehälter und dergleichen mehr. So lauten die Anschuldigungen von Beschäftigten der Alten-, Jugend- und Sozialhilfe gGmbH (AJS) – eine Tochtergesellschaft der „Arbeiterwohlfahrt“ in Thüringen. Sie haben – ermutigt durch die Aufdeckung eines ähnlichen Skandals in Hessen – das Wort ergriffen.

Demnach gäbe es im Betrieb eine maßlose Bevorzugung bei der Entlohnung der Führungsetage. So soll der Chef Michael Hack einen 110.000 Euro teuren Dienstwagen fahren. Sein Gehalt soll höher sein als das der Bundeskanzlerin.

Eine Aussprache über diese Verhältnisse sollte dabei wohl verhindert werden. Einem langjährigen Mitarbeiter wurde der Thüringer Allgemeinen zufolge nach Beendigung seiner Tätigkeit bei der AJS (angeblich sei ihm fristlos gekündigt worden) ein Schweigegeld in sechs- bis siebenstelliger Höhe angeboten – und das aller Wahrscheinlichkeit nach auch mit Hilfe der staatlichen Zuwendungen, deren Höhe Land und Stadt vor der Presse jedoch nicht öffentlich machen wollten.

Die Arbeiterwohlfahrt kündigte nun als Konsequenz die Schaffung einer Vergütungsrichtlinie an, nach der niemand „unverhältnismäßig“ begünstigt werden dürfe. Ebenso wurde die Einrichtung einer Arbeitsgruppe für Transparenz und Regeltreue (Compliance) versprochen.

Erst vor zwei Wochen war ein ähnlicher Skandal bei der Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt bekannt geworden: Sechsstellige Gehälter, 435 PS-Dienstwagen, steuerfreie Geldgeschenke – all das soll sich die Führungsspitze der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Hessen auf Kosten der ArbeiterInnen geleistet haben. Der Skandal reicht bis zum Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und einer SPD-Bundestagsabgeordneten.


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