Die Berliner Kriminalstatistik zählt „Straftaten gegen das Leben“ auf. Dazu zählen Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung – und auch manche Schwangerschaftsabbrüche. Das ist schon eine absurde Konsequenz der Kriminalisierung von Abbrüchen, aber eine DIW-Studie geht noch weiter. Sie nutzt die Daten, um Vergleiche zur Lebensqualität in Europa aufzustellen.

Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland kriminalisiert. Zwar gibt es seit Jahrzehnten Widerstand dagegen, im vergangenen Jahr gab es zum ersten Mal einen – bundesweit vernetzten – Protest am „Tag für sichere Abtreibungen“. Doch bis die Forderungen dieser Bewegung erfüllt sind, ereignen sich solche Absurditäten wie in der Berliner Kriminalstatistik.

Dort sind unter anderem die „Straftaten gegen das Leben“ aufgelistet. Dazu zählen, wie zu erwarten, Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung. Überraschender ist, dass auch einige Schwangerschaftsabbrüche darunter fallen: Alle Abtreibungen, die nicht nach den nötigen Beratungsgesprächen unter die Indikationen für Straffreiheit fielen, werden in dieser Statistik abgebildet.

Noch einen Schritt weiter geht die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Für eine OECD-Studie verwendet das Institut – unhinterfragt – unter anderem die Daten der Berliner Kriminalitätsstatistik. Die Studie stellt damit einen Zusammenhang her zwischen Kriminalität und Lebenszufriedenheit. Letztlich kommt also jemand, der die Studie sehr aufmerksam liest, zu dem Schluss, dass Schwangerschaftsabbrüche in irgendeiner Weise die Lebensqualität der Mitmenschen beeinträchtigten.


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