In den USA und in Kanada hat der Verkauf der Gesichtserkennungs-Software „ClearView AI“ begonnen. Mit neuen mathematischen Formeln versucht das Unternehmen die Verbrecherjagd zu unterstützen, doch in Deutschland werden die Datenschützer nervös.

Die ClearView-Software hat ein klares Ziel: den Behörden bei der Verbrecherjagd zu helfen. Wer an dieser Stelle dachte, dass man dadurch spielerisch lustige Motive mit seinem Gesicht erzeugen könnte, liegt falsch. Sogar auf der Homepage der Firma geht es nur um das Thema Verbrecherjagd. In den USA klatschen derzeit die Behörden in die Hände: Nach Ablauf der 30-tägigen Testversion hat ein Großteil sich diese Software gekauft. Schon mehr als 600 amerikanische Ermittlungsbehörden sollen die Software bisher nutzen.

Die Software greift auf alle hochgeladenen Bilder der Social Media-Netzwerke – wie Facebook, Twitter oder Youtube – zu und ordnet mit einer mathematischen Formel die Bilder den jeweiligen Gesichtern zu. Hierbei entsteht eine riesige Datenbank, die der/die UserIn der Netzwerke nicht verhindern kann, da die eingestellten Bilder laut AGBs den jeweiligen Unternehmen gehören. Bereits jetzt soll ClearView mehrere Milliarden Bilder aus dem Internet heruntergeladen und in seine Datenbank eingespeist haben.

DatenschützerInnen sehen hierbei die Gefahr, dass ClearView als Suchmaschine deklariert wird, da der angewandte mathematische Algorithmus den Suchmaschinen von z.B. Google und Co. sehr nah kommt.

Ähnliche Pläne auch in Deutschland?

Während die erste Gesichtserkennungsanwendung in Deutschland am Berliner Südkreuz mit Verhaltensmustern erweitert wurde, möchte sie der Innenminister, Horst Seehofer (CSU), an allen Bahnhöfen und Flughäfen einsetzen. Bisher läuft diese Gesichtserkennungssoftware aber noch mit vielen Fehlern. Die EU unter derzeitiger Führung von Ursula von der Leyen wird ihr Whitepaper zur Gesetzgebung Ende Februar abgeben.

Grundsätzliche Bedenken

Durch den Einsatz solcher Software würden eigentlich alle BürgerInnen einem Generalverdacht von Staats wegen unterliegen. Fast jedes Gesicht würde in einer polizeilichen Datenbank erfasst. Beim Rechtsterrorismus wird stets von Einzeltätern geredet – hier nun sollen alle Menschen überwacht werden.

Auch bleibt die Frage, ob eine Software zur Gesichtserkennung überhaupt in der Lage wäre, (schwere) Straftaten zu verhindern oder hier nicht eher nur bestimmte Statistiken (Abschiebungen, Kleinkriminelle, etc.) nach oben schnellen würden.


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