Seit rund einem Monat wird gegen CDU-Politiker Hans Joseph Bähner ermittelt. Er soll auf einen 20-jährigen Jugendlichen in Köln-Porz geschossen haben. Zuvor soll er sie rassistisch beleidigt haben. Nun hat er sein Mandat in der Bezirksvertretung niedergelegt. Bei deren Sitzung gab es erstmals öffentlichen Protest gegen den Umgang von Politik, Medien und Polizei mit dem Fall. Demonstrierende entrollten Transparente in der Sitzung und forderten „Gerechtigkeit für Krys“.

Es ist 17:00, der Sitzungssaal im Bezirksrathaus Köln-Porz ist brechend voll. Heute tagt die Bezirksvertretung hier zum ersten Mal, seitdem ein Politiker aus ihrer Mitte vor rund einem Monat auf einen Jugendlichen am Porzer Rheinufer schoss.

Laut Angaben des Betroffenen soll es am Silvester-Vorabend wegen Lärms zum Streit mit dem CDU-Politiker Hans Joseph Bähner gekommen sein, der in der Nähe des Rheinufers wohnt. Dabei soll er sie als „scheiß Kanacken“ und „Dreckspack“ beschimpft haben. Dann habe er unvermittelt mit einem Revolver geschossen. Das Geschoss traf den 20-jährigen Krys an der Schulter und verletzte ihn schwer.

Im Anschluss wurde Bähner jedoch nicht in Untersuchungshaft genommen, sein Name tagelang zurückgehalten. Zuletzt waren jedoch immer mehr Informationen über seine rechten Einstellungen bekannt geworden, so „likte“ er AfD-Beiträge auf Facebook und bezeichnete protestierende Studenten als „linksfaschisten“.

Bähner tritt zurück 

Heute ließ Bähner eine persönliche Erklärung im Ratssaal verlesen. In dieser sprach er von einer „rechtsstaatlichen Hatz“ auf ihm. Einen Tag zuvor hatte der CDU-Politiker sein Mandat niedergelegt.

Hintergrund scheint jedoch – darauf lässt das Statement schließen – nicht eine plötzliche Einsicht zu seiner Tat von vor einem Monat zu sein. Denn bisher hatte Bähner sein Mandat nur „ruhen“ lassen, war jedoch nicht zurückgetreten. Dadurch konnte aber keine Person an seinen Posten nachrücken – und die Ratsmehrheit des Porzer Jamaika-Bündnisses aus CDU, FDP und Grüne war dahin. Erst jetzt – in anbetracht des Machtverlusts – scheint der Druck aus seiner Fraktion groß genug gewesen zu sein.

DemonstrantInnen „brechen das Schweigen“

Auch wenn es ablehnende Reaktionen aus dem Rat auf Bähners Statement gab – keine Fraktion hatte für den Tag eine Resolution gegen rechte Gewalt oder zur Verurteilung des Vorfalls eingebracht. Dies wurde dann von einer Gruppe DemonstrantInnen übernommen.

Gegen 17:30 traten rund 15 Personen in den Saal im Bezirksrathauses und stellten sich in einer Reihe im Rücken der Politiker auf. Dann zogen sie ihre Jacken aus, darunter hatten alle ihre rechte Schulter verbunden und in rote Farbe getränkt. Dies sollte augenscheinlich den Schuss auf die Schulter des Betroffenen symbolisieren. Zeitgleich wurden Transparente entrollt mit den Aufschriften „getroffen hat es einen, gemeint sind wir alle“, „Einen Monat Schweigen und Vertuschen“ und „Gerechtigkeit für Krys“.

Mehrere Personen im Saal klatschten, einige Zuschauer murmelten Aussagen wie „endlich passiert mal was“. Bezirksbürgermeister van Benthem (CDU) dagegen versuchte, die Aktion gegen seinen Parteikollegen sofort zu unterbinden und rief schon wenige Sekunden nach Beginn den Saalschutz. Freiwillig verließen die Protestierenden den Saal. Sie hatten ihr Statement gesetzt.

Gegenüber Perspektive Online erklärte anschließend Demonstrant Jan Schniemann vom Solidaritätsnetzwerk Köln: „Offensichtlich kann in diesem Land ein rechter Politiker auf einen Jugendlichen schießen, ohne dass viel passiert. Das wollen wir nicht zulassen. Wir brechen das Schweigen und fordern Gerechtigkeit für Krys“.

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