Im Fall des Schusses eines Kölner Lokalpolitikers auf einen 20-jährigen Jugendlichen hat sich das Opfer erneut zu Wort gemeldet. Nach eigenen Angaben wurden er und seine drei jungen Begleiter rassistisch beschimpft, bevor der 72-jährige CDU-Politiker ihm von hinten in die Schulter schoss.

Dies geht aus einem Video-Beitrag des WDR hervor, in dem der betroffene Jugendliche interviewt wird. Gegenüber den Journalisten schilderte er den Vorfall aus seiner Sicht:

„Der Mann kam mit einer Waffe aus dem Haus und brülle: ,Haut ab ihr scheiß Kanacken, ihr Dreckspack – da haben wir zurückgeschimpft. Der Mann stand in seinem Garten und hat uns aufgefordert, über die Mauer zu kommen, dann hätte er einen Grund auf uns zu schießen. Dann gab es Streit mit Worten. Dann hat er plötzlich geschossen.“

Ein Video zeigt, dass die Kugel den 20-Jährigen von hinten in die Schulter einschlug und am Oberarm wieder austrat. Nur mit Glück wurde keine Hauptschlagader getroffen.

Auch wenn nun erstmalig das Opfer im O-Ton zu Wort kommt, wird der Betroffene erneut in einem seltsamen Licht dargestellt. So werden während des Beitrags über den Tatort am Porzer Rheinufer weggeworfene Plastiktüten oder mit Sonnenblumen-Kernen bedeckte Steine eingeblendet. Beide Bilder haben keinen direkten Zusammenhang zum Fall.

Mutter eines Betroffenen: „Hier wird versucht, aus einem Opfer einen Täter zu machen“

Schon einmal war von Seiten der Kölner Lokalpresse das Opfer in einem aus seiner Sicht negativen Licht dargestellt worden.

So wurde er in einem Artikel vom 3.1.2020 als „polizeibekannt“ bezeichnet. Hierzu stellte er gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger klar: 2018 sei er einmal im Karneval in der Kölner Altstadt zusammengeschlagen worden, er selbst habe daraufhin Anzeige erstattet. Des weiteren kritisierte er die Nennung von „osteuropäischen Wurzeln“ im Artikel. Seine Eltern kommen aus Polen, er selbst sei Deutscher.

Im gleichen Artikel wurde außerdem im Zuge des Berichts über die Schüsse in Porz über eine vermeintliche Dealer-Szene am Porzer Rheinufer berichtet – und damit unterschwellig ein Zusammenhang zum Opfer hergestellt. Dieses stellte klar: mit der Szene hätten er und seine Freunde nichts zu tun.

„Hier wird versucht, aus einem Opfer einen Täter zu machen“, sagte die Mutter von einem der vier 20- bis 23-jährigen Betroffenen, die in der Nacht vom 30. auf dem 31. Dezember in Porz unterwegs waren.