Eine Kampagne zur Aufklärung und Abschreckung von „linksextremistischen Ideen“ für Schulen des hessischen Innenministeriums sorgt für scharfen Protest. Die LehrerInnengewerkschaft fordert, das Material nicht zu benutzen, sondern aus den Schulen zu entfernen.

Unter dem Titel „Aufgeklärt statt autonom“ startete Anfang November 2019 die „Hessische Aufklärungskampagne zur Prävention von Linksextremismus für die Schulen“. Im Rahmen der Kampagne erhielten alle Schulen in Hessen, an denen Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Jahrgangsstufe unterrichtet werden, die Materialien mit einer 12-teiligen Plakatreihe sowie weiteren Unterrichtsmaterialien.

Die in schwarz und grau gehaltenen Plakate schaffen eine düstere Stimmung und sollen offensichtlich abschrecken. Immer wieder tauchen auf den Plakaten Bomben als Symbole auf. Mehrfach werden rechter, linker und religöser „Extremismus“ gleichgesetzt, sowohl in ihrer Zielrichtung („Wollen die Demokratie zerstören“), als auch in ihren Mitteln.

Gutachten fordert auf, Materialien nicht zu benutzen

Ein von der LehrerInnengewerkschaft GEW in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die Materialien keinerlei Ansprüchen an schulisches Bildungsmaterial erfüllten. Sie würden weder didaktischen noch wissenschaftlichen Maßstäbe genügen: „Das zur Bewertung stehende Material zeigt sich eindeutig als wissenschaftlich, pädagogisch und didaktisch nicht haltbar. Es ist vielmehr Ausdruck einer längst überholt geglaubten politischen Bildung, die mit Affirmation und Einseitigkeit arbeitet und auf sie abzielt. Von kritischer Reflexion, eigenständigem Urteil und Wissenschaftsorientierung ist hier nicht nur keine Spur, dieses Defizit wird sogar durch vermeintliche Objektivität und Lebensweltbezüge aktiv verschleiert. Das Material ist aus unserer Sicht unverzüglich aus den Schulen zu entfernen.“

Auch die Landesvorsitzende der GEW Hessen, Birgit Koch, fordert daher, dass die Plakate aus den Schulen entfernt und „flächendeckend in die Mülltonnen entsorgt werden“.

Innenministerium verteidigt die Plakate

Das hessische Innenministerium hingegen verteidigt die Plakatreihe als notwendiges Unterrichtsmaterial. Den Lehrkräften würde sonst kaum Unterrichtsmaterial zur Verfügung stehen, welches das Thema „Linksextremismus“ problematisiere und sich in der schulischen Präventionsarbeit einsetzen lasse, so ein Sprecher des Ministeriums.

Auch kritisiert die GEW, dass das Unterrichtsmaterial von der „Eduversum GmbH“ erstellt wurde, einem Verlags, der mit der FDP verbunden ist. Dass es sich demnach hier nicht um „objektive“ Unterrichtsmaterialien handelt, sondern um Material, das von einer Partei mitgestaltet wurde, die mit der faschistischen AfD zusammenarbeitet, sollte bei der Beurteilung nicht außen vorgelassen werden.