Heute ist „Internationaler Tag für Frauen und Mädchen in der Wissenschaft“. Nur 30 % aller WissenschaftlerInnen weltweit sind Frauen. Das zeigt nicht nur erschreckende Geschlechterstereotype auf, sondern macht die Welt für Frauen und Mädchen auch gefährlicher.

„Wissenschaft und Innovationen können lebensverändernde Verbesserungen mit sich bringen, besonders für die, die am weitesten zurückliegen – wie Frauen und Mädchen in abgelegenen Gegenden“, erklärte die UN-Frauen-Geschäftsführerin Phumzile Mlambo-Ngcuka.

Die Arbeiten von Frauen, die wissenschaftlich arbeiten, werden seltener veröffentlicht, geringer bezahlt und bringen die Wissenschaftlerinnen weniger voran. Wie in den meisten Bereichen müssen sich Frauen in diesem Arbeitsfeld also mehr anstrengen, mehr Arbeit leisten, für die sie schlechter bezahlt werden, um den selben guten Ruf zu erlangen wie männliche Kollegen.

Besonders wenig repräsentiert sind Frauen in informationstechnologischen Wissenschaften. Gerade einmal drei Prozent der wissenschaftlichen Veröffentlichungen in diesem Feld stammen von Frauen.

Die UN veröffentlicht anlässlich des heutigen Tages auch eine Studie zu Geschlechterstereotypen. Schon im Alter von sechs Jahren denken Mädchen, dass Jungen viel wahrscheinlicher „wirklich kluge“ Dinge tun werden als andere Mädchen.

Frauenmangel in der Wissenschaft ist lebensgefährlich

Dass Frauen in der Wissenschaft unterrepräsentiert sind, ist nicht nur schlecht für die jeweiligen WissenschaftlerInnen. Es macht auch unsere gesamte Lebensumwelt gefährlicher für Mädchen und Frauen, wie einige Beispiele eindrücklich zeigen:

Beispielsweise sterben mehr Frauen als Männer an Herzinfarkten, obwohl Männer sie häufiger bekommen. Das liegt daran, dass die Symptome von Herzinfarkten sich zwischen Geschlechtern häufig unterscheiden – MedizinerInnen werden aber auf die männlichen Symptome geschult. Die Medizin gehe davon aus, dass Frauen einfach „kleinere Männer“ seien, und deshalb die selben Medikamente bräuchten, nur etwas weniger.

Tatsächlich macht es aber sehr wohl einen Unterschied, wie beispielsweise ein Körper mit einem Zyklus auf ein Medikament reagiert.

Eine Ursache dieses Problems liegt schon in den Tests, die mit Medikamenten durchgeführt werden, bevor sie auf den Markt kommen. Arzneimitteltests finden in der Regel mit Männern statt, das sei besser vergleichbar. Auch bei Tierversuchen kämen fast ausschließlich männliche Tiere zum Einsatz, weil die Versuche wegen fehlendem Zyklus einfacher seien.

Aber nicht erst im Krankenhaus ist es für Frauen gefährlicher: Die üblichen Crashtest-Dummies, an denen sich die Sicherheit von Autos orientiert, sind am durchschnittlichen männlichen Körper orientiert. Eine kleinere Körpergröße und ein anderer Schwerpunkt machen z.B. die Funktion von Sicherheitsgurten und Airbags suboptimal. Man spricht von der „Gender Daten Gap„.