Mit Beginn des 20. Jahrhunderts traten Sozialistinnen auf die Bühne der Geschichte, um die Geschicke der ArbeiterInnenbewegung zu verändern. Rosa Luxemburg und Clara Zetkin hatten ein klares Ziel vor Augen: Arbeiterinnen aller Länder vereinigt euch! Dies ist ihre Geschichte. – Eine Reihe von Felix Thal.*

Mit Beginn der Industrialisierung strömten auch immer mehr Arbeiterinnen in die Fabriken und die Werksstätten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Nicht selten wurden sie dabei von ihren männlichen Kollegen, Vorarbeitern oder Chefs ausgegrenzt, sexuell belästigt und Opfer von körperlichen Übergriffen. Zudem waren arbeitende Frauen nicht so gut organisiert wie ihre Kollegen, verdienten einen geringeren Lohn und wurden in wirtschaftlichen Krisenzeiten schneller entlassen.

Wie in den europäischen Ländern üblich, bestand die Frauenbewegung zumeist aus Frauen der bürgerlichen Oberschicht. Sie bestimmten die Themen und betrachteten sich als Sprachrohr eines klassenübergreifenden weiblichen Geschlechts. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts organisierten sich erstmals speziell Arbeiterinnen und traten für ihre Recht ein. Am 27. August 1910 fand die erste Internationale Sozialistische Frauenkonferenz in Kopenhagen statt.

Frauenbewegung als Teil der Klassenbewegung

Clara Zetkin (1857-1933), die an dieser Konferenz teilnahm, sah die Frauenbewegung als Teil des Klassenkampfes an. Für sie war klar, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter überall ausgebeutet und unterdrückt werden. Gleichzeitig haben sie gemeinsame Interessen, die durch eine Vereinigung erkämpft werden könnten. Arbeiterinnen haben es zudem doppelt schwer, da sie nicht nur von ihrem Arbeitergeber, sondern auch von Männern im allgemeinen unterdrückt werden.

Daher brauche man einen gemeinsamen Internationalen Frauentag, um auf die Rechte und Bedürfnisse der Arbeiterinnen aufmerksam zu machen. Am 8. März 1911 wurde in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und in den USA der Frauentag begangen, an dem sich insgesamt mehr als eine Million Frauen beteiligten.

Rosa und Clara gegen imperialistischen Krieg

Mit Beginn des 1. Weltkrieges 1914 spaltete sich die ArbeiterInnenbewegung, und der Zusammenhalt über die verfeindeten Ländergrenzen hinweg konnte nicht aufrechterhalten werden. Clara Zetkin und ihre Freundin Rosa Luxemburg (1871-1919) sahen in dem aufkommenden Krieg keinen Gewinn für die Frauenbewegung. Für sie diente der Krieg nur den Kapitalisten, die durch die Produktion von Bomben, Gewehren und Kanonen ihren ohnehin enormen Reichtum vermehren konnten.

Nachdem die SPD-Fraktion im Reichstag für die Kriegskredite stimmte, trat Luxemburg aus ihr aus und gründete eine kommunistische Friedensbewegung, die „Gruppe Internationale“, aus der der spätere „Spartakusbund“ hervorging. Zetkin und Luxemburg wurden während des Krieges mehrmals verhaftet, da sie Männer zur Wehrdienstverweigerung aufforderten.

Im November 1914 schrieb Clara Zetkin einen Aufruf an die „sozialistischen Frauen aller Länder“, in dem sie sich gegen den verheerenden Krieg aussprach. Sie könne nicht mehr Seite an Seite mit den Männern stehen, da diese sich in zu großer Zahl als Kriegsbegeisterte entpuppt hätten.

„Wenn die Männer töten, so ist es an uns Frauen, für die Erhaltung des Lebens zu kämpfen. Wenn die Männer schweigen, so ist es unsere Pflicht, erfüllt von unseren Idealen, die Stimme zu erheben.“

Für Zetkin kommt damit der sozialistischen Frau die Rolle zu, das Leben zu erhalten und aktiv gegen den Krieg einzustehen.

Rosa ermordet – Clara kämpfte ihr Leben lang

Nach dem Krieg 1918 und der Novemberrevolution war Gustav Noske (SPD) als Reichswehrminister dafür zuständig, Streiks und kommunistische Aufstände zu bekämpfen und niederzuschlagen. Rosa Luxemburg wurde im Januar 1919 verhaftet und durch rechte Soldaten erschossen, die ihren Körper in den Landwehrkanal in Berlin warfen. Erst im Mai fand ein Arbeiter ihre Leiche an einer Schleuse. Clara Zetkin konnte weiter für Frieden und Sozialismus kämpfen. Sie floh vor den Nationalsozialisten nach Russland und verstarb dort im Alter von 75 Jahren.

Rosa Luxemburg ist auf dem Zentralfriedhof in Berlin Friedrichsfelde und Clara Zetkin auf dem Roten Platz in Moskau beigesetzt.

In Teil 7 der Serie „Frauen der Weltgeschichte“ wird es um die Krankenschwester Margaret Sanger gehen.

*Die Geschichte schreiben in der Regel Männer über Männer. Als angehender Historiker habe ich die Aufgabe, das zu ändern: Bis zum Frauenkampftag am 8. März möchte ich meinen wöchentlichen Beitrag auf Perspektive Online dazu nutzen. Die geschilderten Frauen sind durch ihr Lebenswerk in die Geschichte eingegangen, werden im historischen Gedächtnis aber gern vergessen, verschwiegen oder ihre Taten klein geredet. Über die Befreiung von Menschen aus der Sklaverei durch Harriet Tubman, zum Kampf für das Frauenwahlrecht in England durch die Feministinnen Millicent Fawcett und Emmeline Pankhurst bis hin zu den Sozialistinnen Clara Zetkin und Rosa Luxemburg – diese kleine Serie möchte Frauen vorstellen, die sich zu Lebzeiten für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft eingesetzt haben.