Ein Maschinengewehr, diverse Langwaffen, Panzerfaustköpfe, verschiedene Mörsergranaten, mehrere Kilogramm Sprengstoff, Chemikalien und Werkstoffe zur Herstellung von Munition, außerdem Reichskriegsflaggen und NS-Devotionalien – das ist die Bilanz einer Hausdurchsuchung bei einem 40-Jährigen in der Nähe von Husum. Schon 2015 wurde ein Waffenlager bei ihm gefunden. Doch die Polizei sieht keine Verbindungen zur rechten Szene.

Bei einer Hausdurchsuchung am Dienstag sind Kriegswaffen und Sprengstoff in einem Wohnhaus und der Scheune eines 40-jährigen Mannes gefunden worden (Link zum Foto von den Waffen). Zudem fanden die Polizisten eine nicht geringe Menge Marihuana in den durchsuchten Räumen.

Laut Polizei wird gegen den Beschuldigten nun wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Sprengstoffgesetz und das Betäubungsmittelgesetz ermittelt.

Rechter Wiederholungstäter

Es ist offenbar nicht das erste Mal, dass das Waffenlager des Mannes hochgenommen wurde. Bereits 2015 wurden umfangreiche Mengen an Kriegswaffen und Sprengstoffen gefunden. Damals wurden bei ihm umfangreiche Mengen an Kriegswaffen und Sprengstoffen sichergestellt, darunter knapp 90 Kilogramm des Sprengstoffs TNT, 40 Langwaffen, zwei Panzerfäuste und eine Landmine russischer Herkunft. Die aktuelle Sammlung ist nach Angaben der Polizei kleiner.

Die Oberstaatsanwältin zog schon damals nicht in Erwägung, dass es sich dabei um ein rechtes Waffenlager handeln könnte. Das Motiv sei Sammlerleidenschaft gewesen, so Stahlmann-Liebelt: „Ein bisschen in Richtung Reiz des Verbotenen.“

Erneut scheint die Polizei keine Verbindungen zur faschistischen Bewegung herzustellen. So hätten laut SPIEGEL die Ermittler auch dieses Mal eigenen Angaben zufolge keine Hinweise darauf, dass der 40-Jährige Kontakte zur rechtsextremen Szene oder zu „Reichsbürgern“ pflege.

Nazi-Terror in Husum

Dabei gab es in der Vergangenheit in Husum durchaus bewaffnete rechte Gruppen, die Waffen horteten, um in einen „Rassenkrieg“ einzugreifen. So war unter anderem „Combat 18 Pinneberg“ in der Stadt verankert. Im Oktober 2003 kam es zu Durchsuchungen gegen die rechtsterroristische Gruppe unter anderem in Husum. Immer wieder tauchen Waffen aus der damaligen Zeit auf. So könnte auch der Revolver, mit dem der CDU-Politiker Lübcke erschossen wurde, aus Lagern von Combat 18 Pinneberg stammen.

Weiterhin zog am 1. Mai 2011 überregionaler Berichterstattung zufolge eine Gruppe von ca. 40 Neonazis im Rahmen einer „Spontandemonstration“ durch Husum. Noch vor dem offiziellen Beginn der gewerkschaftlichen Feierlichkeiten zum 1. Mai am Husumer Hafen erreichten die Neonazis die Szenerie und demolierten Stände und Autos, warfen Mobiliar ins Hafenbecken und schlugen auf GewerkschaftlerInnen und Parteimitglieder ein, die gerade damit beschäftigt waren, ihre Stände aufzubauen. Es gab mehrere Verletzte. Einige der Neonazis wurden anschließend zu Geldstrafen verurteilt.


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