Noch in der vergangenen Woche kam es zum stärksten Einbruch an den internationalen Börsen seit der Weltwirtschaftskrise 2008/2009. Als Auslöser gilt die Unterbrechung von Produktionsketten durch das Coronavirus. Die Ursache ist jedoch eine sich zuspitzende Weltwirtschaftskrise. Diesen Montag gab es dann an der amerikanischen Wallstreet wiederum den stärksten Kursgewinn in der Börsengeschichte – ein so extremes Auf und Ab gab es noch nie. Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) hat darauf nun mit einer Senkung des Leitzinses reagiert.

Die Aktien-Märkte international wie auch in den USA haben ihre schlechteste Woche seit der Finanzkrise 2008 hinter sich. Der führende amerikanische Aktien-Index Dow Jones fiel letzte Woche insgesamt um 12,4%. Er verzeichnete am Donnerstag auch den schlimmsten Ein-Tages-Einbruch in der Geschichte dieser weltweit relevanten Börse.

Umgekehrt kam es am gestrigen Montag zu einem Kurs-Feuerwerk: Der Dow legte um 1.294 Punkte oder 5,1% zu – der beste Ein-Tages-Punktgewinn aller Zeiten. In Prozent war dieser Montag der beste Tag seit März 2009. Auch der bedeutendste deutsche Aktienindex DAX konnte einige Kursverluste der vergangenen Woche wieder aufholen.

Aufs und Abs bedeuten Instabilität

Die neusten Zahlen weisen jedoch nicht darauf hin, dass sich die Situation an den internationalen Finanzmärkten beruhigt. Im Gegenteil sind diese massiven Schwankungen Ausdruck einer starken wirtschaftlichen Instabilität und Unsicherheit über die weiteren Entwicklungen bei den Großinvestoren.

Dies hängt damit zusammen, dass sich die Weltwirtschaft bereits seit dem vergangenen Jahr in einer – für den Kapitalismus üblichen – Krise befindet. In manchen Ländern hält die Gefährdung sogar bereits seit dem Jahr 2018 an, und auch die Industrieproduktion in Deutschland ist im vergangenen Jahr drastisch eingebrochen. Viele Firmen mussten mit Massenentlassungen und Werksschließungen darauf reagieren.

Der Coronavirus ist also nicht der Auslöser einer neuen Wirtschaftskrise, sondern verschärft sie und macht sie sichtbarer. Besonders Unternehmen, die sich hoch verschuldet haben, sind nun gefährdet. Sie werden seit einigen Jahren mit künstlich niedrigen Krediten am Leben gehalten. Schätzungen gehen davon aus, dass 10 – 20% aller Firmen solche „Zombie-Unternehmen“ seien.

US-Notenbank senkt Leitzins

Doch gerade in Zeiten von wirtschaftlicher Unsicherheit wie jetzt tendieren Banken dazu, Unternehmen, die angeschlagen sind – ja, vielleicht schon „Zombie-Unternehmen“ sind – Geld nur noch zu hohen Zinsen zu leihen. Wenn diese ihre wirtschaftliche Tätigkeit aber nicht fortsetzen können, besteht die Gefahr, dass sich eine Pleitewelle entwickelt und dies letztlich zu einem Crash führt.

Um das zu verhindern, hat der kapitalistische Staat ein beliebtes Mittel: die Senkung des Leitzinses. Dieser gibt vor, zu welchem Zinssatz sich private Banken Geld bei der staatlichen Zentralbank leihen können – um dieses dann wieder an Unternehmen zu verleihen.

Die US-Zentralbank FED hat nun am heutigen Dienstag gegen 16 Uhr (MEZ) angekündigt, eben diesen Leitzins zu senken – um 0,5 Prozentpunkte auf die Spanne von 1 – 1,25 Prozent. Damit kann sie zwar auf  der einen Seite die Wirtschaft kurzzeitig stabilisieren, schiebt aber die oben genannten Probleme („Zombie-Unternehmen“) nur vor sich her und vertieft damit einen künftigen Crash.


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