Der Coronavirus bringt vielerorts internationale Lieferketten ins Stocken. Damit hat er starke Auswirkungen auf die ohnehin instabile Weltwirtschaft. In dieser Woche haben die Börsen soviel an Wert verloren wie zuletzt in den Hochzeiten der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008/2009. Dort macht sich ein „Panikmodus“ breit.

International sind in dieser Woche die Börsen massiv eingebrochen:

  • Der führende amerikanische Aktienindex Dow Jones hat gestern seinen größten Rückgang in der Geschichte verzeichnet – er verlor innerhalb eines Tages 1.190,95 Punkte.
  • Der FTSE 100-Index der größten in Großbritannien notierten Unternehmen hat seinen niedrigsten Stand seit Dezember 2008 erreicht. Diese Woche hat er etwa 10% seines Werts verloren.
  • Mit einem Minus von insgesamt knapp 13 Prozent steuert der deutsche Aktienindex „DAX“ auf den größten Wochenverlust sei achteinhalb Jahren zu. Er fiel unter die Marke von 12.000 Punkten.
  • Der STOXX Europe 600 Index fiel zu einem Zeitpunkt um mehr als 4,5% und verzeichnete die schlechteste wöchentliche Performance seit 2008.

Auch weltweit betrachtet erleben die Börsen wahrscheinlich die schwächste Woche seit der Finanzkrise 2008. So verlor der MSCI-Weltindex von Montag bis Donnerstag bereits 8,9 Prozent. Nur im November 2008 war der Verlust mit 9,8 Prozent höher.

AnlegerInnen im „Panikmodus“

Auslöser für die aktuellen Kurseinbrüche ist die schnelle Ausbreitung des Coronavirus und seine Auswirkungen auf internationale Produktionsketten. Laut einer Aufstellung der internationalen Nachrichtenagentur Associated Press sind mittlerweile Infektionen in 56 Ländern weltweit bekannt. In einem Großteil der Länder sind es jedoch noch unter zehn Personen. Die meisten Todesfälle gab es bisher in China (2.788), Iran (34), Italien (15) und Südkorea (13). Auch in Deutschland wird von einer beginnenden Epidemie gesprochen.

Die AnlegerInnen hätten in den „Panikmodus“ geschaltet, sagte Analyst Ipek Ozkardeskaya von der Swissquote Bank gegenüber Spiegel Online. Ned Rumpeltin, der europäische Leiter der Währungsstrategie bei der Toronto-Dominion Bank erklärt: „Die Selbstzufriedenheit, die das Verhalten des Marktes in den letzten Wochen bestimmt hat, ist mit Sicherheit verschwunden.“

Bringt der Coronavirus die Weltwirtschaft ins Straucheln?

Kapitalistische Krise wird verschärft

Dabei sollte beachtet werden, dass die Weltwirtschaft bereits seit dem vergangenen Jahr in einer – für den Kapitalismus üblichen – Krise steckt. In manchen Ländern hält die Gefährdung sogar bereits seit dem Jahr 2018 an, und auch die Industrieproduktion in Deutschland ist im vergangenen Jahr drastisch eingebrochen. Viele Firmen mussten mit Massenentlassungen und Werksschließungen darauf reagieren.

Der Coronavirus ist also nicht der Auslöser einer neuen Wirtschaftskrise, sondern verschärft sie und macht sie sichtbarer. Besonders Unternehmen, die sich hoch verschuldet haben, sind nun gefährdet. Sie werden seit einigen Jahren mit künstlich niedrigen Krediten am Leben gehalten. Schätzungen gehen davon aus, dass 10 bis 20 Prozent aller Firmen solche „Zombie-Unternehmen“ seien. Diese und weitere könnten im Fall eines massiven Börsen-Crashs pleite gehen.


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