Deutschlandweit sind viele Krankenhäuser seit Wochen nicht ausgelastet, da sie sich auf Anweisung des Gesundheitsministeriums auf Notfälle aufgrund der Corona-Pandemie einstellen und den Regelbetrieb herunter schrauben mussten. Nun fordern sie, auch nicht lebensnotwendige Behandlungen wieder durchführen zu dürfen.

Seit Wochen dürfen in deutschen Krankenhäusern Operationen, die nicht sofort notwendig sind, nicht mehr durchgeführt werden. Mehr als 150.000 Betten auf Normalstationen und 10.000 Intensivbetten stehen deutschlandweit leer. Viele Krankenhäuser haben aufgrund der geringen Auslastung finanzielle Verluste und schicken immer mehr Klinikpersonal in Kurzarbeit.

Da die Infektionszahlen in Deutschland weiter zurück gehen und mehr Menschen genesen, als sich nach Zahlen des Robert Koch-Instituts neu mit dem Virus anstecken, fordert unter anderem die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) die schrittweise Rückkehr zum Normalbetrieb.

„Bei der derzeit stabilen Corona-Lage sind wir in der Lage, den Regelbetrieb im Krankenhaus wieder anlaufen zu lassen“, so der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß. Gaß machte darauf aufmerksam, dass Eingriffe wie Bypässe oder Gelenkersatz nicht dauerhaft verschoben werden könnten.

„Wir haben aus Kliniken besorgniserregende Rückmeldungen, dass die Einweisungen wegen Verdachts auf Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich zurückgegangen sind. Und das liegt nicht daran, dass es weniger Verdachtsfälle gibt, sondern dass Patienten aus Angst sich gar nicht beim Rettungsdienst melden“, ergänzte Gaß.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn äußerte sich positiv dazu, dass eventuell Anfang Mai der Regelbetrieb schrittweise wieder aufgenommen werden könne. Bisher hat die Bundesregierung dies jedoch nicht beschlossen. Sowohl Spahn als auch die DKG wiesen daraufhin, dass für erneut stark steigende Corona-Infektionen 30% der Versorgungskapazitäten freigehalten würden und weitere schnell freigemacht werden könnten.

Infektionen bei medizinischem Personal stark angestiegen

Nach wie vor werden in Deutschland die Zahlen der infizierten Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten, nicht zentral erfasst. Bis vor Ostern meldeten die Gesundheitsämter der Länder und Kommunen jedoch einen starken Anstieg an Infektionen bei ÄrztInnen und Pflegekräften.

Rund 6.400 MitarbeiterInnen aus dem Gesundheitswesen waren vergangene Woche an Covid-19 erkrankt. Das sind doppelt so viele wie zwei Wochen zuvor. Rund dreiviertel der infizierten Personen sind weiblich. Es muss zudem von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.


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