Lebensmittel sind im Mittel diesen Aprils um 10 Prozent teurer als im April 2019 – ein immer größerer Teil unseres Lohns muss für Lebensmittel ausgegeben werden. Trotzdem stehen einige landwirtschaftliche Sparten vor dem finanziellen Aus. Wenn LandwirtInnen leer ausgehen und auch VerbraucherInnen nicht alle satt werden, wer gewinnt dann am Lebensmittelmarkt?

Die Proteste der LandwirtInnen sind noch kein halbes Jahr vorbei. Die aktuelle Situation am Lebensmittelmarkt ruft ihre Forderungen wieder auf die Tagesordnung: Obwohl die Lebensmittelpreise verhältnismäßig stark gestiegen sind, sind ganze landwirtschaftliche Sparten von der Pleite bedroht.

An- und Verkaufspreise gehen im Beispiel der Lebensmittel gerade teilweise weit auseinander. Die Preise, die wir im Supermarkt für frische Lebensmittel zahlen, sind im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent gestiegen. In anderen Worten: Von unseren Löhnen können wir uns in diesem Jahr schon 10 Prozent weniger Lebensmittel leisten als noch vor einem Jahr.

Dennoch kaufen Menschen mehr frische Lebensmittel

Die Zahlen, die die Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) zu dieser Sache liefert, sind eher Trends als stichfeste Zahlen. Doch ist ab März ein rapider Anstieg in der Nachfrage frischer Lebensmittel zu verzeichnen. Nicht nur Hamsterkäufe können dafür verantwortlich sein. Es liegt auf der Hand, dass Haushalte auch darum mehr konsumieren, weil Restaurants und Imbisse sie wegen Infektionsschutzmaßnahmen nicht versorgen konnten.

Für Reis, Mehl und Zucker hat sich die Nachfrage annähernd verdoppelt. Die scheinbare Knappheit erhöhte die Nachfrage weiterhin. Auch frische Lebensmittel wie Brot, Kartoffeln und Käse sind vermehrt nachgefragt worden. Kartoffeln sind dabei eine echte Ausnahme: Sie sind fast 14 % günstiger als im Frühjahr letzten Jahres.

Schon Anfang März betrug die Teuerungsrate laut AMI rund 5,1 % Prozent. Auf Corona-Maßnahmen ist das allerdings nicht zurückzuführen. Im März war dafür vor allem ein sehr hoher Verbaucherpreis für Schweinefleisch verantwortlich. In diesem Monat beklagten LandwirtInnen, dass der Preis für Schlachtschweine abrupt eingebrochen sei und Schlachthäuser kaum nachfragten. Für ihre Betriebe sieht es düster aus.

Mehr Konsum, hohe Preise und trotzdem Pleiten in der Landwirtschaft?

GewinnerInnen am Lebensmittelmarkt sind große Betriebe zur Weiterverarbeitung und des Vertrieb. Den Handel mit landwirtschaftlichen Rohprodukten dominieren weltweit vier Konzerne, die sogenannten „ABCD“: „Archer Daniels Midland“ (ADM), „Bunge“, „Cargill“ und die „Louis Dreyfus Company“, die ersten drei sind US-amerikanische Unternehmen. Nun macht Chinas größter Lebensmittelproduzent, „Cofco“ (China National Cereals, Oils and Foodstuffs Corporation) den traditionellen Marktführern Konkurrenz. Der gemeinsame Umsatz der Konzerne beträgt rund 351 Milliarden Euro jährlich.

Lebensmittelmarkt weltweit in der Hand von fünf Konzernen

Preiserhöhungen in Lebensmittelgeschäften – Umsatz teilweise versechsfacht

Ein kurzer Renner, der den Umsatz von ALDI, LIDL und weiteren in die Höhe getrieben hat, waren Desinfektionsmittel. Um 519 Prozent war der Umsatz in der ersten Märzwoche gestiegen. Dicht gefolgt von Brotbackmischungen, die rund vier Mal so viel nachgefragt wurden.

HändlerInnen gehen davon aus, dass die Menschen deswegen in nächster Zeit nicht etwa viel weniger einkaufen gehen. Sie rechnen mit rund 50 Prozent der zusätzlichen Umsätze als Zusatzgeschäft. Es sei hingegen damit zu rechnen, dass Haushalte vieles entsorgen würden, weil sie es nicht vor Ablauf des MHD verbraucht haben werden. Den Lebensmittelgeschäften tut das keinen Abbruch.

Auffällig ist auch, dass der Umsatz einiger Produkte viel stärker anstieg als der Absatz. Das bedeutet, dass zwar die Nachfrage gestiegen ist, Händler gleichzeitig aber auch den Preis angehoben haben.


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