In Halberstadt sind nach mehreren mutmaßlichen Corona-Fällen Proteste unter mehreren hundert Geflüchteten in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZAst) ausgebrochen. Mehrere traten in den Hungerstreik. Sie fordern eine Auflösung des Lagers innerhalb von zwei Wochen. Verhandlungen zwischen einer Streikleitung und der Heimleitung blieben erfolglos. Nun gab es wieder Proteste auf dem Gelände.

Wie KorrespondentInnen von Perspektive Online vor Ort berichteten, haben am  Samstagmittag einige BewohnerInnen der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) in Halberstadt einen Hungerstreik begonnen. Sie wurden im Anschluss von den Sicherheitsmännern der „City Schutz GmbH“ brutal attackiert. Unter anderem soll einer schwangere Frau von einem bewaffneten Sicherheitsmann in den Bauch getreten worden sein.

Die streikenden ZASt-BewohnerInnen haben daraufhin Delegierte gewählt und vier Forderungen aufgestellt, in denen sie die Versorgung mit Hygieneartikeln, besserer Nahrung, einer sofortigen dezentralen Unterbringung von Risikogruppen und eine Schließung der ZASt innerhalb von zwei Wochen verlangen.

Verhandlungen gescheitert

Bereits am Samstagabend war zwischen einer fünfköpfigen und multinationalen Delegation der Geflüchteten und der ZASt-Leitung unter Vermittlung der MigrantInnenorganisation „Lamsa“ verhandelt worden. Die Verhandlung wurde am Montagvormittag weitergeführt, endete aber mit einer kompromisslosen Ablehnung der vier Forderungen durch die ZASt-Leitung.

Da die vier Forderungen von der ZASt-Leitung abgelehnt wurden, führen die Geflüchteten ihren Hungerstreik seit Montagmittag weiter. Sie bleiben bei ihren Forderungen und wünschen direkten, ungestörten und persönlichen Kontakt zur Presse.  Zu dieser zusätzliche Forderung erklärte Frau Jung von der ZASt-Leitung, es sei den Geflüchteten nicht verwehrt, mit der Presse Kontakt aufzunehmen.

Die BewohnerInnen der ZASt haben daraufhin erklärt, dass sie die ZASt-Leitung nicht mehr als Ansprechspartnerin akzeptieren und nur noch mit VertreterInnen der Politik verhandeln wollen. Konkret wollen sie mit dem Oberbürgermeister von Halberstadt sowie mit der Landesregierung Sachsen-Anhalts reden. Außerdem fordern sie eine Auflösung des Lagers, das sie als „Gefängnis“ bezeichnen, innerhalb einer Woche.

Protest auf dem Gelände

Mittlerweile haben sich BewohnerInnen aller fünf Quarantäne-Blöcke und aller Nationalitäten dem Protest angeschlossen. So gab es heute wieder eine Protestaktion auf dem Gelände. Etliche der Protestierenden hielten dabei Schilder mit der Aufschrift „Transfer“ hoch. Dutzende skandierten währenddessen „Transfer! Transfer! Transfer!“.

Damit ist der Transfer aus der ZASt heraus in dezentrale Wohnungen gemeint, womit nicht nur die physische Distanzierung ermöglicht, sondern auch die körperliche Unversehrtheit der Geflüchteten geschützt werde.


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