Obwohl selbst das Innenministerium in NRW der Einführung der Taser kritisch gegenübersteht, sollen diese zum Ende des Jahres in 3-6 Polizeibehörden im Streifendienst getestet werden. Kritiken aufgrund zahlreicher Todesfälle durch Taser-Einsätze bleiben unberücksichtigt.

Nachdem bereits in den vergangenen Jahren verschiedene Polizeien in anderen Bundesländern wie Bayern und Rheinland-Pfalz ihre Einheiten mit Elektroschockpistolen ausgestattet haben, soll dies testweise auch in Teilen von Nordrhein-Westfalen passieren.

Laut den Plänen des NRW Innenministeriums sollen die Taser, die bisher in NRW nur von Spezialeinheiten benutzt werden, in drei bis sechs Polizeibehörden in verschieden großen Städten und Kreisen im alltäglichen Streifendienst getestet werden. Danach soll entschieden werden, ob die Distanzwaffe landesweit als Standardbewaffnung eingeführt wird. Das Innenministerium geht von Kosten von 57 bis 61 Millionen Euro für fünf Jahre aus.

Immer mehr Todesfälle nach Polizeieinsätzen mit Tasern

Doch scheinbar haben bisherige Tests des „Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste“ größere Zweifel an der Einsetzbarkeit der Waffe hervorgerufen. Ein Taser eigne sich nur „für statische Einsatzsituationen“, bei der die „bewaffnete Person keine erkennbaren Angriffstendenzen gegen andere zeigt“. Sei das Gegenüber mit einer Schusswaffe ausgestattet, eigne sich ein Taser selbst in solch einer vergleichsweise ruhigen Situation hingegen nicht, so der Bericht der bisherigen internen Tests.

Organisationen wie Amnesty International warnen schon seit längerem vor Tasern. Die Risiken, die von solch einer Waffe im normalen Streifendienst ausgehen könnten, seien nicht überschaubar. Laut AI sind in den USA im Zeitraum von 2001 bis 2017 über 700 Menschen bei dem Einsatz von Elektroschockgeräten gestorben. Die Nachrichtenagentur Reuters spricht gar von 1.081 bestätigten Fällen im Zeitraum 2000 – 2018.


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