Immer mehr schwule, lesbische, bi-, trans- und intersexuelle Menschen (LGBTI) stehen zu ihrer sexuellen Orientierung, obwohl Gewalt, Diskriminierung und Angst ihr Alltagsleben stark beeinflussen. In einer Studie der Europäischen Union wurden 140.000 Menschen befragt.

In der Studie „A long way to go for LGBTI equality“, durchgeführt von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte, wurden über 140.000 Menschen in der EU, im Vereinigten Königreich, Serbien und Nordmazedonien befragt.

Obwohl die Untersuchung aufzeigt, dass in den vergangenen Jahren Fortschritte in der Gleichstellung von LGBTI-Personen (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersexual) gemacht wurden, wird weiterhin in einem großen Ausmaß von Gewalt und Diskriminierung berichtet. In der Studie wurden auch erstmals Menschen im Alter von 15 bis 17 Jahren befragt.

Beruf und Freizeit

Laut der Umfrage leben nur rund 57 Prozent der Menschen ihre sexuelle Orientierung offen aus. Sechs von zehn Personen vermeiden es, in der Öffentlichkeit die Hand ihres Partners oder der Partnerin zu halten, und – wie auch bei anderer gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit – überlegen es sich LGBTI-Personen, wo sie hingehen, was sie anziehen und wie sie sich im öffentlichen Raum bewegen.

Jede dritte Person fühlt sich bei Freizeitaktivitäten durch das gesellschaftliche Umfeld eingeschränkt. Auch Diskriminierung am Arbeitsplatz sollen mehr als 23 Prozent der Befragten auf Grund ihrer sexuellen Orientierung bereits erlebt haben. Zudem steht jede dritte Person finanziell stark unter Druck, bei inter- und transsexuellen Menschen ist es jede zweite. Jeder zweite junge Mensch hingegen berichtet davon, dass es in der Schule auch Unterstützung von Schülerinnen, Schülern oder den Lehrkräften gebe.

Polizei ist Teil des Problems

13 Prozent der LGBTI-Personen gaben in der Befragung an, dass sie in den vergangenen 5 Jahren körperlich oder sexuell angegriffen wurden, verbale Belästigung liege bei 36 Prozent. Das Anzeigen solcher Taten bei der Polizei lag extrem selten vor: Nur rund 10 Prozent aller Attacken werden juristisch erfasst, die Dunkelziffer ist entsprechend hoch. 23 Prozent der Menschen in Deutschland berichten davon, dass sie Angriffe gegen sich nicht zur Anzeige bringen, da sie Angst vor diskriminierenden Handlungen seitens der Polizei befürchten. Es sei vorgekommen, dass Menschen einmal eine Anzeige erstattet, bei weiteren Attacken aber darauf verzichtet hätten.

Handlungsempfehlungen

Die Umfrage gibt abschließend Handlungsempfehlungen heraus, mit denen die Rechte von LGBTI-Personen in den befragten Ländern zukünftig gestärkt werden könnten: Schaffung einer Null-Toleranzkultur gegenüber Gewalt und Mobbing gegen LGBTI-Personen und die Aus- und Fortbildung von Polizeistrukturen. Auch die Etablierung eines Online-Melde-Instruments wird empfohlen, um Opfer von Diskriminierung effektiv unterstützen zu können. Nationale Aktionspläne könnten zudem bei der Wahrung der Rechte in allen Lebensbereichen helfen.


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