Anfang der Woche traten in Brüssel große Teile der BusfahrerInnen und rund die Hälfte der Tram-FahrerInnen in einen wilden Streik. Zuvor hatte die Gewerkschaft hinter ihrem Rücken einer Wiederaufnahme der normalen Fahrpläne zugestimmt. Der Streik zwang die Gewerkschaft zurück an den Verhandlungstisch mit den Unternehmern – nun steht eine Vereinbarung vor dem Abschluss.

Seit Montag findet in den Brüsseler Verkehrsbetrieben ein wilder Streik statt. Das berichtet unter anderem der Blog Solidarisch gegen Corona. Demnach habe sich der Streik so entwickelt, dass die ersten, die am Montag im Depot ankamen, beschlossen hätten, ihre Trams und Busse nicht raus zu fahren. Rund 80% der Tram-FahrerInnen und 50% der BusfahrerInnen waren beteiligt. Die U-Bahn sei mehr oder weniger normal gefahren.

Zuvor hatte die Gewerkschaft der Wiederaufnahme eines Regel-Fahrplans zugestimmt, ohne die ArbeiterInnen dabei einzubeziehen. Daraufhin entstand der wilde Streik, bei dem sich die ArbeiterInnen zum ersten Mal auf das „Droit de retrait“ (Recht auf Rückzug) berufen, das seit 1996 Teil des belgischen Arbeitsrechts ist.

Dies erlaubt ihnen, sich von ihrem Arbeitsplatz zu entfernen, wenn sie sich in einer schweren und unmittelbaren Gefahrenlage befinden. Die Tram- und BusfahrerInnen sehen sich durch die Aufhebung des Lockdowns einer solchen unmittelbaren Gefahr an ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt.

„Bis wieder Sicherheit gegeben ist“

In einem Interview kritisiert ein Tram-Fahrer der STIB (Société des Transports Intercommunaux de Bruxelles) die Pläne zur Wiederaufnahme des Fahrbetriebs.

So bringe der erhöhte Takt Probleme bei der sachgemäßen Reinigung der Fahrzeuge mit sich. Auch seien die Pausenräume überhaupt nicht für das „Social Distancing“ geeignet. Zudem würden sowohl die Passagiere als auch die ArbeiterInnen einem erhöhten Infektionsrisiko durch den Regelfahrplan ausgesetzt. Der Streik werde so lange fortgeführt, „bis wieder Sicherheit gegeben ist.“

Aufgrund des Drucks der ArbeiterInnen wurden sowohl Gewerkschaft als auch STIB gezwungen, sich noch einmal an einen Tisch zu setzen. Dabei verhandelten sie ein Maßnahmenpaket, das auf einige Forderungen der ArbeiterInnen eingeht.

Die Gewerkschaft legt dies nun den streikenden ArbeiterInnen zur Prüfung vor. Unterschrieben ist es noch nicht, Voraussetzung sei dafür laut Unternehmen, dass die ArbeiterInnen die Arbeit wieder aufnähmen.

Belgien ist im europäischen Vergleich das Land mit der höchsten Todesrate pro 100.000 EinwohnerInnen. Diese Rate liegt dort etwa achtmal höher als in Deutschland.


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