Seit letztem Donnerstag sind 700 Personen in einem Göttinger Wohnblock in der Groner Landstraße 9 eingesperrt. Der Grund: Dort war es zu einem Corona-Ausbruch und der Infektion von 120 Menschen gekommen. Am Samstag kam es dann wegen der schlechten Hygiene-Zustände und Nahrungsmittelversorgung zu Protesten und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Auch Tage später ist die Lage im Haus dennoch weiterhin miserabel.

Nach Anordnung der Quarantäne wurden die Eingänge des Hauses mit Bauzäunen versperrt und die BewohnerInnen unter polizeiliche Überwachung gestellt. Auch für doppelt negativ getestete Personen in dem Haus gibt es strenge Ausgangsbeschränkungen. Beispielsweise müssen sie sich an- und abmelden, wenn sie ihre Wohnungen verlassen.

Da die Eingesperrten mit abgelaufenen Lebensmitteln – und auch das nur sehr notdürftig – versorgt wurden, war es am Samstag am Rande einer Demonstration vor dem Haus zu Protesten und Auseinandersetzungen zwischen Polizei und AnwohnerInnen gekommen. Während die Polizei beworfen wurde, setzte sie selbst wiederum auch gegen Kinder Pfefferspray ein. Der Polizeipräsident schätzt den Einsatz rückblickend als „absolut gerechtfertigt“ ein.

Nach #Mietenwahnsinn – Aufstand in Göttinger Quarantäne-Wohnblock: „Die Leute haben kein Essen zuhause!“

Doch die Zustände in dem Haus sind weiterhin schlecht geblieben. Auf dem Twitter-Account @GronerLand lässt sich die Lage aus der Sicht der BewohnerInnen verfolgen. Laut deren Berichten würden Nahrungsmittelpakete teilweise noch immer nicht ankommen. Auch mangelt es seit Tagen an ausreichend Nahrung und Hygieneartikeln für Babys.

Gleichzeitig muss eine Bewohnerin trotz negativen Testergebnissen seit Tagen auf eine Erlaubnis des Amtes, die Wohnung zu verlassen, warten. Auch die MitarbeiterInnen des Facility-Service beschweren sich über schlechte Hygiene- und Arbeitsbedingungen, die die Stadt nicht beheben wolle. Auch eine Aufstockung des Personals sei von deren Seite aus nicht geplant.

Inzwischen sind in Göttingen wieder 260 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert. Auch einen erneuten Todesfall hat es gegeben.

Für KritikerInnen des Krisenmanagements der deutschen Regierung zeigt sich am Beispiel der Groner Landstraße, wie sehr dieses zu Lasten der Armen geht. Demnach seien vor allem diese von Ausgangssperren betroffen.


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